Osterzeit heißt für uns meistens: endlich wieder Wildwasser paddeln. Am liebsten natürlich auf irgendwelchen neuen Flüssen. In diesem Jahr wollten wir (mal wieder) auf den Balkan, nachdem es uns im Sommer 2016 dort so gut gefallen hat. Diesmal waren wir aber nicht alleine unterwegs, sondern mit meinen Eltern und Olli und Basti.

Unsere Reise stand zunächst unter keinem guten Stern. In ganz Europa war es noch eisekalt, so dass wir unsere angepeilte Reiseroute etwas umplanen mussten. Außerdem waren Paul und Jakob gesundheitlich etwas angeschlagen.

Slunjica, ein kurzer Reisebach

Aufgrund von Pauls Krankheit musste ich die ganze Strecke bis nach Slunj in Kroatien alleine fahren, dementsprechend war ich auch etwas gerädert, als wir am vereinbarten Treffpunkt auf die Anderen trafen. In der Gegend rund um Slunj kann man ziemlich viel paddeln, da hatten wir uns bereits 2010 und 2016 reichlich ausgetobt. Ich wollte gerne die oberste Mreznica ab der Quelle fahren, was auf Grund eines militärischen Sperrgebiets leider nicht möglich ist. Der freundliche Soldat, der uns nicht zum Fluss ließ, meinte, wir sollten unser Glück auf den anderen Bächen in der Umgebung suchen. Unsere Wahl fiel dann auf die Slunjica, die ganz in der Nähe lag, da keiner von uns sie kannte und sie mit ihrer kurzen Strecke von ca. 6 km einen idealen Reisebach darstellte (denn so schön die Gegend auch ist, es lag auch noch einiges an Schnee und wir wollten Wärme).

Die Slunjica entspringt aus einem wunderschön blauen Quelltopf – angeblich Wasser, das an der oberen Korana versickert – und bietet auf den ersten Meter ein wenig Action in Form von diversen Stüfchen.

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Im blauen Quelltopf
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Die erste Stufe, direkt aus dem Quelltopf heraus

Danach beruhigt sich das Flüsslein und man paddelt zum größten Teil auf Flachwasser in einem ruhigen Tal. Lediglich an ein paar alten Mühlen wird es in Form von Wehren etwas wilder. Im Örtchen Slunj stürzt die Slunjica über mehrere Abfälle (auch Rastoken genannt) in die Korana.

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Wir stiegen vor den Fällen aus, da die vielen Armen des Flusses unter zahlreichen niedrigen Brücken durch diverse Gärten flossen und wir keinen Anwohner verärgern wollten.

Zrmanja, das war wohl nix

Auf der Suche nach etwas Wärme waren wir weiter nach Obrovac gefahren um die Zrmanja zu paddeln. Vor Ort teilte uns ein freundlicher Ranger des Naturparks mit, dass dies nur mit Guide erlaubt sei. Leider mussten wir dann beim lokalen Raftunternehmen feststellen, dass erst in drei Tagen ein Guide verfügbar sei. Das war uns als Wartezeit zu lang (vor allem, da man sonst in der Gegend nicht großartig paddeln kann, zumindest kein Wildwasser), also fuhren wir weiter bis zur Cetina.

Cetina, eine wunderbare Schlucht

Es war schon Mittag, als wir endlich am Einstieg der Cetina ankamen, daher fuhr ich mit Samy im Zweier (während der noch immer etwas kränkliche Teil der Familie das Auto umsetzte). Die untere Cetina wäre aber für Samy zum größten Teil auch im Einer machbar gewesen.

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Typisches Schwällchen der unteren Cetina, zunächst meist bis WW II
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Einsame Fahrt durch schöne Landschaft, die Cetina wird im Sommer hier auch geraftet
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Das einzige künstliche Hindernis auf diesem Abschnitt

Nach dem Wehr geht es dann richtig zur Sache. Nach kurzer ruhiger Fahrt fallen von der rechten Seite Schleierfälle in die Cetina. Wir hatten relativ viel Wasser, so dass wir die dahinterliegenden Höhlen nicht besichtigen konnten. Nach den Fällen beginnt direkt eine fünfer Stelle. Hier teilte sich unsere Gruppe auf. Sabine und Samy mit mir im Zweier fuhren gegen die Strömung wieder bis zu einer alten Mühle hinauf. Dort kann man auf der rechten Seite gut umtragen. Die Anderen fuhren das erste Stüfchen hinab ins rechte Kehrwasser. Von dort aus kann man die folgende Stelle gut besichtigen. Leider war ich mit umtragen beschäftigt, daher gibts keine Bilder von der Stelle. 😉

Nach der Kernstelle wird es insgesamt etwas wilder, mit einigen Stellen knapp WW III. Eine Stelle hatte ein ordentliches Loch. Dort konnte man bei unserem Wasserstand (ca. 10 Kubik laut Pegel am Einstieg) links vom dicken Felsen gut kneifen.

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Es wird etwas wilder
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Ein kurzer ruhiger Abschnitt, danach folgt die etwas schwerere Stelle mit dickem Loch
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Langsam wird es immer ruhiger

Theoretisch kann man nach der Schlucht an diversen Raftausstiegen die Fahrt gut beenden. Wir wollten aber gerne bis zur Mündung ins Meer fahren, was leider 6 km Flachwasser bedeutet. Diese Anstrengung wurde aber belohnt, denn die Cetina bricht kurz vor ihrer Mündung durch hohe Felsriegel hindurch und das Örtchen Omis ist auch echt sehenswert.

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Ausstieg am Meer. Man kann direkt bis zum Campingplatz Kamp Galeb paddeln, der das ganze Jahr über geöffnet hat.

Cetina, kleine und große Schlucht

Paul ging es wieder besser, dafür lag ich nun flach. Daher kann ich leider nicht viel zum oberen Abschnitt der Cetina sagen. Samy fuhr aber im Einer mit, da die Schwierigkeiten größtenteils WW I-II betragen.

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Ein klein wenig schluchtig
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Die schwerste Stelle des Abschnitts…
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…Samy schaffte sie mit Opas Hilfe

In Blato na Cetini stieg ein Teil der Gruppe aus. Die folgende (schon vom Ufer sehr beeindruckend aussehenden) Schlucht ist etwas schwerer, WW III (IV). Wobei man vor allem die Kernstelle, einen ca. 2 m hoher Fall, nur schwer umtragen kann. In der Schlucht gibt es ein Kraftwerk mit einem danach folgenden 40-m-Fall. Da man da nicht so wirklich umtragen kann, sollte man an einem Mountainbikepfad vor dem Kraftwerk raustragen.

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Der Pfad ist von einem kleinen Ortsteil von Sestanovac ausgeschildert (GPS 43.447009, 16.893103)
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Definitiv eine kurze Besichtigung wert: Gubavica Falls
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Kochen mit Blick aufs Meer
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Abendstimmung: Omis leuchtet rot

Trebizat, von null auf hundert auf null

Nachdem wir zwei Tage an der Cetina verbracht hatten, zog es uns weiter nach Bosnien. Der Trebizat ist ein typischer Stufenbach, wie man sie auf dem Balkan öfter findet.

Aussteigen wollten wir ursprünglich an den Kravica-Fällen, eine der Sehenswürdigkeiten der Region. Allerdings hatte der Trebizat einen so guten Wasserstand, dass wir nicht sicher waren, wie gut man da wirklich rauskommt. Daher wählten wir die Sicherheitsvariante 3 km weiter oben.

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Die Kravica-Fälle, leider unfahrbar

Am Einstieg des Trebizats angekommen, waren wir erstmal schwer beeindruckt: ein imposanter 8m-Fall donnerte über eine ganz schöne Breite hinab. Ich sah für mich selber direkt zwei machbare Linien und wollte den Fall sehr gerne fahren. Leider war mein Boot auf dem Autodach am Ausstieg, da ich eigentlich wieder mit Samy im Zweier fahren wollte (wegen viel Flachwasser). Zum Glück war Sabine so nett, mir ihr Boot zu leihen, so dass einer Befahrung nichts mehr im Wege stand. Andi hatte für sich auch eine Linie gesehen und so schleppten wir beide die Boote zum oberen Einstieg. Die Anfahrt war nicht besonders einfach und in dem kleineren Boot wollte ich kein Risiko eingehen, daher wählte ich die mittlere Route, bei der man oberhalb nicht durch ein Loch bomben musste, auch wenn die Abrisskante in der rechten Route schöner gewesen wäre.

Andi mit der rechten Route und ich mit der mittleren

Nach dem aufregenden Auftakt wurde der Bach ruhig. Lange Flachwasserstücke wechselten sich mit wenigen Stüfchen ab. Das Tal war dennoch recht sehenswert und am Fluss war es sogar verhältnismäßig einsam.

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Typisches Flussbild, bei unserem Wasserstand waren viele kleine Stufen abgesoffen, so dass kleine Schwallstrecken entstanden

Zum Ende hin wurden die Stufen etwas größer, eine umtrugen wir mit den Kindern.

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Buna und Neretva, schönes für den Paddelnachwuchs

Den nächsten Morgen starteten wir zunächst mit ein wenig Sightseeing. Hatten wir am Tag zuvor die Kravica-Fälle nur vom Parkplatz aus besichtigt, stiegen wir diesmal ganz hinab. Bei dem guten Pegel war es ganz schön beeindruckend, die ca. 28 m hohen Fälle so hinunterrauschen zu sehen. Wegen Steinen im Unterwasser sind sie aber leider nicht fahrbar.

 

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Nach diesem Sightseeingprogramm ging es zum Nächsten. Die Buna entspringt direkt aus einer Felshöhle, an der ein Kloster erbaut wurde. Sehr sehenswert und auch dementsprechend voll. Wir machten den Fehler und fuhren am rechten Ufer hoch. So kommt man zwar ganz nah dran, aber wir mussten uns inmitten von Souvenirbuden umziehen und die Autos kann man da auch nicht stehen lassen. Um zur Quellhöhle zu kommen, mussten wir sowieso den Fluss überqueren (für alle Nachahmer: am linken Ufer dürfte es besser sein). Auch Samy ließ es sich nicht nehmen sein kleines Bötchen zu schultern und hochzutragen. Wobei er nur die Höhle befahren konnte, das darauffolgende Wehr war noch eine Nummer zu groß für ihn. Der Zweier blieb unten, Paul war die Höhlenbefahrung nicht so wichtig und das Wehr im Zweier auch nicht so prickelnd.

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Einfahrt in die Höhle, bei unserem Wasserstand war da ein ganz schöner Zug drauf
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Jakob erkundet mit dem Opa die Höhle

Nach der schönen Quelle fließt die Buna durch ein weites Tal. Die Wasserfarbe ist wunderschön, wirkliche Schwierigkeiten gibt es eigentlich kaum. Kurz vor der Mündung folgen ein paar Stüfchen, die aber allesamt leicht zu befahren sind. Alles in allem ein wunderbarer Anfängerfluss.

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An der Mündung der Buna wurde es dann spannend. Wir hatten sehr hohe Pegel auf beiden Flüssen, so dass die eigentliche Buna-Enge keine Enge mehr war, sondern ein sehr wuchtiger Schwall. Die Situation hatten wir uns schon beim Hochfahren angesehen, so dass jeder wusste, wie er fahren sollte. Olli und Basti nahmen natürlich die Hauptlinie mitten durch die dicken Wellen und ordentlichen Verschneidungen. Andi lotste Sabine und Paul mit Jakob im Zweier die Kneiferroute am rechten Ufer hinab, während Samy lieber umtragen wollte. Dafür musste er erstmal die Neretva queren. Eine ganz schöne Aufgabe für ihn, die er aber mit Bravour meisterte. Danach war es für ihn schon fast ein Klacks, das zuvor festgelegte Kehrwasser zu kriegen. Es ist echt schön zu sehen, wie sicher er mittlerweile solche Manöver beherrscht. Nachdem ich Samys Boot umgetragen hatte, paddelte ich die Hauptroute hinab und wurde dort in den Verschneidungen ganz schön durcheinandergeworfen, allerdings nicht so sehr wie Olli wie ich unten zu hören bekam.

Dass die Neretva ganz schön viel Verschneidungen hatte, auch mitten in den Wellen, musste Samy wenig später auch feststellen, als er sich mit einer Stütze so gerade noch vorm Schwimmen retten konnte.

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Die untere Neretva: gute Strömung und einige Schwälle mit tollen Wellen
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Am Ausstieg in Zitomislici, an den Bäumen im Wasser erkennt man unseren guten Frühjahrspegel

Neretva, mit Sightseeing

Nochmal Neretva hieß es für uns am nächsten Tag. Wir wollten durch Mostar und unter der berühmten Stari Most hindurchpaddeln. Nach seinem Verschneidungserlebnis am vorigen Tag wollte Samy lieber wieder im Zweier fahren, was sich auch als die richtige Entscheidung erwies. Denn wir hatten noch immer Wasser satt und die ersten Kilometer bis Mostar waren wuchtiges Wildwasser inklusive Presswasser bis WW III.

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Die schwierigste Stelle dieses Abschnitts, sieht durch die Brückenpfeiler noch beeindruckender aus. Links und rechts gut zu fahren, war uns mit den Zweiern aber zu wuchtig. Rechts konnten wir aber leicht über die Felsplatte umtragen.

In Mostar selber wurde es dann leichter.

Nach Mostar wartete bis zur Buna-Enge, die an diesem Tag unseren Ausstieg darstellte nur noch leichte Fahrt mit ziemlich flotter Strömung. Schockiert waren wir von der Verschmutzung des Flusses unterhalb der Stadt. So viele wilde Müllkippen hatte ich noch nie am Flussufer gesehen. Echt erschreckend!

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Buna-Enge zum Abschluss, nur eng ist hier nix mehr 😉

Neretva, der Traumcanyon

Nach dem erschreckenden Müllerlebnis ließen wir die große Zivilisation lieber hinter uns und flohen in die unberührten Berge um die obere Neretva zu fahren.

Da die Wasserstände immer noch gut waren, verzichteten wir auf eine Befahrung des oberen, schweren Canyons und fuhren nur den unteren Teil, der im Sommer auch geraftet wird. Dieser Canyon ist echt traumhaft, bei hohem Pegel im mittleren Schwierigkeitsbereich (bis WW III+).

Die absolut einsame Fahrt durch die hellen Felsen mit engen Canyons und tollem Wildwasser war einfach nur grandios. Für die Kinder war es zuviel Wasser und auch ansonsten etwas kalt, aber wir werden nochmal wieder kommen, damit sie dieses tolle Schluchterlebnis auch erleben. Das Umsetzen an der oberen Neretva ist übrigens auch der einzige Wermutstropfen: man muss einen Pass auf schmaler Straße überqueren, das dauert.

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Wilder Campingplatz bei Lug

Rama, öfter mal was Neues

Die Rama ist im DKV-Flussführer nicht beschrieben, sah auf Satellitenaufnahmen aber recht vielversprechend aus. Der Oberlauf wird komplett von einem Stausee verschluckt, aber hinter der Staumauer wollten wir unser Glück probieren. Trotz der hohen Wasserstände in der Region, war der Ablass des Sees so gut wie trocken, einige Nebenbäche sorgten aber für einen gerade noch so machbaren Wasserstand ab dem Örtchen Lug.

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Einstieg auf einem Nebenbach der Rama
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Kleinflussfeeling auf den ersten Kilometern
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Irgendwann sorgt ein kleines Kraftwerk für mehr Wasser und leider auch für viel Müll

Die Rama bricht sich immer wieder Etappenweise abwärts. Kernstelle ist eine kurze Klamm mit bizarren Felsen. Eine Besichtigung zuvor von der begleitenden Straße ist ratsam, da es auf der Rama viele Baumversperrungen gibt. Den Klammeingang, eine Doppelstufe mit unterspülten Felswänden sind wir nicht gefahren, WW V. Der Rest der Klamm ist leichter und wunderschön, meinetwegen hätte es noch länger so weiter gehen können.

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Kleine Stufe in der Klamm
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Wunderbare Landschaft
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Der Klammausgang

Nach der Klamm ist der Fluss offener. Zwischendurch erreichen die Schwierigkeiten immer wieder den vierten Grad. Eine weitere fünfer Stelle konnten wir wegen eines querliegenden Baums nicht fahren.

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Typischer verblockter Schwall, Baumhindernisse waren oft allgegenwärtig
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Die Rama baut ordentlich Gefälle ab
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Kurz vor dem Ende der Schwierigkeiten, der untere Lauf der Rama ist im Rückstau des Neretva-Stausees ertrunken

An dem Tag regnete es stark, also nutzten wir die Gelegenheit und paddelten einfach noch ein Stück auf dem See weiter, was anderes außer paddeln wäre bei dem Wetter eh nicht sinnvoll gewesen.

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Ein dicker Feuersalamander am Ausstieg

Vrbas, Wuchtwasseraction at it’s best

Es hatte die ganze Nacht fleißig weiter geregnet. Hatten wir zuvor schon sehr gute Wasserstände, so hatten wir jetzt ausgesprochenes Hochwasser. Der obere Vrbas soll eigentlich ein verblockter Bach sein, wir sahen keinen einzigen Stein mehr, dafür aber hohe Wellen und dicke Löcher. Ein seeeeehr wuchtiger IVer mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass die Ufer voller Bäume, die im bereits im Wasser standen, waren (also anhalten war nur an wenigen Stellen möglich).

Vor der Kernstelle, sonst wohl WW IV+, erwischten wir aber, wie vorher vereinbart, ein passendes Kehrwasser um die Stelle zu besichtigen. Nachdem wir kurz am Ufer entlanggekraxelt waren, entschieden sich alle schnell zum Umtragen. Ein Baum ragte mitten in der Hauptströmung ins Wasser, bei dem kleinsten Fahrfehler oberhalb wäre man unweigerlich davorgezogen worden. Eine tödliche Falle.

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Besichtigung der Kernstelle

Nach diesen Schwierigkeiten wird der Vrbas langsam immer leichter, auch wenn wir noch ein paar ordentliche Wellen hatten. Neben uns tummelten sich unglaubliche Mengen an Plastikflaschen im Fluss, teilweise stapelten sie sich schon in den Kehrwassern. So was hatte bisher keiner von uns erlebt.

Im Örtchen Vinac sollte Sabine, die im oberen Stück Auto gefahren war, mit Paul tauschen, da der Vrbas ab hier nur noch leichtes Wildwasser war. So richtig überwinden sich umzuziehen konnte sie sich dann aber doch nicht, die braunen Wassermassen, die Mülberge im Fluss und das kalte Wetter hielten sie davon ab. Also fuhren wir in unveränderter Konstellation weiter. Es war an dem Tag so dermaßen kalt, dass wir nicht mehr anhielten um zu fotografieren (bei den Ufern wäre es aber auch etwas umständlich geworden). Wobei sich eine Weiterfahrt, besonders durch Jajce und an den Plivafällen entlang echt lohnt. Vor allem bei dem vielen Wasser rauschte der hohe Fall von links sehr bedrohlich wirkend in den Vrbas hinein. Insgesamt hatten wir an dem Tag 30 km zurückgelegt und dafür bloß zweieinhalb Stunden gebraucht, trotz Besichtigung und Umtragen.

Janja und Pliva, erst wild, dann mild

Für die nächsten Tage hatten wir unser Standlager in Jajce aufgeschlagen um die Flüss der Gegend zu erkunden. Nach dem Wuchtwasserritt und dem schlechten Wetter am vorigen Tag, strahlte uns nun die Sonne entgegen.

Wir fuhren zur Janja. Dort wollten wir hinter den Janja-Fällen einsteigen. Den Einstieg fanden wir relativ schnell am rechten Ufer, dort ging es beschwerlich, aber zum Glück ohne abseilen zum Fluss hinab. Nach der Fahrt aus dem sehr unschönen Einstiegskehrwasser ging es in einem schmalen Bachbett mit ordentlicher Wucht abwärts.

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Über einen kleinen Wasserfall geht es hinab zum Einstieg
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Wuchtige Wellen zu Beginn
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Paul hat zwischendurch sogar etwas Zeit um Flora und Fauna zu beobachten 😉
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Typischer Schwall auf der Janja

Die leider nur kurze Waldschlucht war wunderschön. Sportliches WW III mit einer IVer Stelle in Form einer sehr hohen Welle/Walze (wen’s interessiert, die Welle hat 3:2 gewonnen 😉 ). Nach dem Austritt aus der Schlucht wird die Janja mit einem Schlag zum Wanderbach.

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Ein niedriger Steg…
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…der bei viel Wasser einfach umfahren werden kann
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Ruhige Fahrt auf der unteren Janja (und ja, wir hatten immernoch gut Wasser)

Kurz vor der Mündung in die Pliva wird die Janja nochmal wild, über diverse Arme geht es an Mühlen entlang abwärts. Wir wissen nicht, ob es einen Arm gibt, den man ohne niedrige Stege oder Mühlen komplett ohne umtragen fahren kann, unser Arm war es auf jeden Fall nicht.

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Ein letztes Stüfchen bevor sich unser Arm in einer Mühle verliert

Auf der Pliva stiegen dann Sabine und die Kinder dazu. Wir waren sie 2016 schonmal gefahren, ein leichter Wanderbach mit einem höheren Fall, der bei Hochwasser definitiv unfahrbar ist.

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Leichte Hochwasserfahrt auf der Pliva

Nach dem Paddeln besichtigten wir noch traditionelle Wassermühlen am Plivasee, sehr sehenswert.

Ugar, noch ein Traumcanyon

Beste Straßenverhältnisse erlebten wir am nächsten Tag, als wir versuchten, auf dem kürzesten Weg zum Einstieg des Ugars zu gelangen, was keine gute Idee war. Dafür wurden wir auf dem Fluss belohnt mit einer 18 km langen unzugänglichen Waldschlucht, die sich immer wieder zu Canyons verengt. Mit Sicherheit eine der landschaftlich schönsten Schluchten, die ich bisher gefahren bin. Und auch wildwassertechnisch hatte der Ugar einiges zu bieten, fast durchgehend WW II-III (III+), wobei die engen Felswände vor allem der Hauptklammteil, wo sich der Fluss auf knapp 2 m verengt, sehr bedrohlich wirkt.

Irgendwann hatte uns dann aber die Zivilisation wieder und wir mussten die letzten Meter auf dem Stausee des Vrbas‘ zurücklegen.

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Das blaue Wasser des Ugars vermischt sich mit dem braunen Vrbaswasser

Bosna, Müll und Kinderlachen

Einen größeren Flusskontrast kann es wohl kaum geben. Hatten wir am Tag zuvor die einsame unberührte Ugar erlebt, standen wir nun unterhalb der Großstadt Zenica am Ufer der verschmutzten Bosna.

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Müllmassen am Einstieg, die schlimmste Verschmutzung bisher

Auch wenn die direkten Ufer nicht sehr einladend waren, der Fluss an sich war ganz schön. Leichtes Wildwasser mit flotter Strömung und tollen Wellen, die vor allem Samy in seinem kleinen Boot begeisterten.

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Der landschaftlich schönste Abschnitt: die Klisura Vranduk (man muss isch nur die unteren zwei Meter am Ufer wegdenken)
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Statt Kirchen säumen in Bosnien eher Moscheen die Ufer
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Schöne Wellen sorgen für die richtige Portion an Action

Abgesehen vom Müll war der ansonsten recht natürliche Flusslauf der großen Bosna echt beeindruckend zu sehen. Bei uns wäre der Bach mit Sicherheit nur noch eine Abfolge von Staustufen, wobei die Bosnier gerade auch auf dem Weg sind alles zu verbauen:

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Bauarbeiten an einer Staustufe, die den schönsten Abschnitt des Flusses sicher trockenlegen wird 😦
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Kultur: Besichtigung der Tvrđava Vranduk

Gostovic, kein Wasser und noch mehr Kraftwerke

Der Gostovic ist ein Nebenbach der Bosna, der zwar noch nicht genauer beschrieben wurde, sich dafür aber sehr vielversprechend anhört: soll sich dort doch ein 3 und ein 7 m Fall verbergen. Beim Hochfahren des Tales mussten wir aber leider feststellen, dass eine Befahrung wohl nur nach sehr starken Regenfällen möglich ist. Zudem wird das Bächlein nach und nach von Kraftwerken verbaut. Ein schönes Tal, das komplett verschandelt wird (und das bei der geringen Durchflussmenge).

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Neues Kraftwerk im Oberlauf des Gostovics

Krivaja, schlechtes Wetter, schönes Wildwasser

Die nacht hatten wir auf einem wilden Campingplatz an der Krivaja verbracht. Das Tal ist dicht bewaldet und vielleicht, ganz vielleicht haben wir sogar Bärenspuren entdeckt, für die Kinder war es auf jeden Fall eine unruhige Nacht mit der Ungewissheit, dass draussen Bären herumschleichen könnten…

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Bärenspuren? Wer weiß 😉

Nach den schönen Wetter der letzten Tagen, war leider mal wieder ein Regentag angesagt. Das tat dem schönen Bach aber keinen Abbruch. Wunderbares Wildwasser III/III+ auf fast 30 km Länge, sehr spaßig.

Urspünglich war geplant, dass die Kinder für den Unterlauf dazusteigen, aber der Regen war so stark, dass sie verständlicherweise keine Lust mehr hatten. Sabine wollte aber noch aufs Wasser, also fuhren Andi und ich noch weitere 15 km. Der Regen wurde immer stärker, das Wildwasser war aber immernoch sehr schön, wenn auch leichter. Dafür ging es durchgehend im ersten bis zweiten Schwierigkeitsgrad abwärts. Samy hätte hier im Einer sicher seine Freude gehabt. Fotos haben wir wegen des Starkregens auf diesem Abschnitt leider keine gemacht.

Spreca, Kurven über Kurven über Kurven

So langsam neigte sich unser Urlaub dem Ende zu. Für Basti und Olli war es der letzte Paddeltag. Da wir schon ein wenig Richtung Heimat wollten, fuhren wir zur Spreca einen weiteren Nebenbach der Bosna, schon etwas nördlicher im Flachland. Dementsprechend ruhig ging es auf dem Fluss zu. Die Spreca ist nämlich ein ausgesprochener Wanderbach in einem weiten Tal, schön abseits der Straßen. Für reine Wanderpaddler sicher empfehlenswert, im Rückblick wäre ich lieber nochmal den Unterlauf der Krivaja – diesmal bei Sonnenschein – mit den Kindern gepaddelt. Charakteristisch für die Spreca waren die unzähligen Kurven, die gefühlt kein Ende nahmen. Mit dem Auto war die Strecke 12 km lang, auf dem Bach 20.

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Einstieg an der Therme bei Gracanica, die leider noch nicht geöffnet war
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Auf der ruhigen Spreca, immerhin gab es durchweg sehr schnelle Strömung

Teichl, ein Landschaftsknaller als Reisebach

Unsere dezimierte Paddeltruppe hatte lange überlegt, welchen Bach wir auf der Rückreise als Reisebach mitnehmen. Am Ende landeten wir bei dem Klassiker Teichl, da die Kinder ihn noch nicht kannten und Samy sich dort im Einer nochmal so richtig austoben konnte. Meine Erinnerungen an die Teichl waren zwiegespalten. Als Kind fand ich die Teichl klasse, als Jugendliche bei meiner letzten Befahrung, so mit 14/15 empfand ich den Bach als eher langweilig. Umso überraschter war ich, als ich feststellen musste, dass die Teichl selbst bei NW ein echt schöner Fluss ist. Na gut, das schöne Wetter, die weißen Bergspitzen, die glasklare Wasserfarbe und das Kinderlachen taten dabei ihr übriges 😉

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Samy voller Freude dabei

Dass wir mit der Flussauswahl alles richtig gemacht hatten, zeigte sich am Ende dann auch, als Jakob die Teichl zu seinem neuen Lieblingsbach auserkor.

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Abendstimmung auf dem Heimweg (von Samuel fotografiert)

Fazit: Insgesamt war es ein sehr schöner Urlaub. Das Wetter war zwar leider sehr durchwachsen, so dass die Kinder nicht immer paddeln konnten (Hier nochmal ein großer Dank an Sabine, die so oft auf die Kinder aufgepasst und uns geshuttlet hat!). Dafür hatten wir Bombenwasserstände. Die Flussläufe auf dem Balkan sind noch so schön natürlich und einiges wollen wir nochmal gemeinsam mit den Kindern angehen, einiges kann man dort ja auch im Sommer fahren. Die Neretva werden wir nochmal angehen, auch weil mich der obere Teil sehr interessiert. Die untere Krivaja ist ein toller Kinderbach, der nochmal ausgiebig bei Sonnenschein genossen werden sollte. Und zur Zrmanja nach Kroatien müssen wir natürlich auch, diesmal aber mit Voranmeldung 😉

Eine Anmerkung zum Schluss: fast jeder dieser Naturperlen, die wir gefahren sind, sind von massiven Kraftwerksprojekten bedroht. Nehmt euch die Zeit und schaut euch hier alles genauer an. Und vor allem: erzählt allen euren nichtpaddelnden Kollegen und Freunden, wie sehr Wasserkraft die Natur zerstört! #savetheblueheartofeurope