Die starken Regenfälle in der ersten Januarwoche sorgten im Sauerland für Bombenwasserstände, die wir natürlich direkt ausnutzten. Zwar waren die Pegel zum Wochenende wieder am sinken, aber sie sollten noch ausreichen, um etwas neues auszuprobieren. Die Henne, die bei Meschede in die Ruhr mündet und eher für ihren Stausee bekannt ist, stand schon länger auf meiner Agenda. Meist scheiterte die Befahrung aber an weniger motivierten Mitpaddlern (die Henne hat keinen besonders guten Ruf, wie ich feststellen musste) oder an weniger passenden Wasserständen.

Diesmal fanden wir uns aber zu viert, bei gerade noch ausreichendem Wasserstand in Niederhenneborn zusammen, um diesen eher unbekannten Fluss zu befahren.

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Praktischer Einstieg, ganz nah am Bach

Dass die Henne hier oben eher selten befahren wird, stellte auch ein Einheimischer fest. Er habe in seinen siebzig Jahren, die er hier wohnt noch nie einen Paddler gesehen.

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Eng gehts am Anfang zu

Dann warnte er uns noch vor den Schachten, die es im Oberlauf der Henne gibt [Achtung Fachwort: Mit Schachte bezeichnet der Hennetaler anscheinend kleine Schrägwehre].

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Nach der Befahrung der ersten Schachte/ des ersten Schachtes (so firm bin ich in der Verwendung dieses Fachwortes noch nicht)

Er hätte uns stattdessen lieber vor den Stacheldrähten warnen sollen, die es auf den ersten Kilometern des öfteren gab. Neben diesen Schwierigkeiten gab es auch noch ein paar obligatorische Baumhindernisse, schön flotte Strömung und diverse Schwälle. Alles in allem sehr kurzweilig.

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Wenn man stark genug ist, hebt man dieses Baumhindernis einfach hoch

 

Nach ca. 3,5 km mündete von rechts der Rarbach in die Henne, die Wasserführung nahm gut zu und die Drahthindernisse verschwanden. Unverändert flott ging es ansonsten weiter. Ein höheres Schrägwehr kurz hinter der Rarbachmündung war leicht zu fahren.

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Erst ducken, dann rutschen
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Nun ist die Henne breiter

Viel zu schnell erreichten wir den Rückstau des Hennesees. Jetzt war richtiges paddeln angesagt. In den WW-Booten, und wenn man zuvor hauptsächlich Lenkschläge gemacht hat, eine ganz schöne Umstellung.  Das Vorstaubecken muss kurz überhoben werden, bevor man auf dem eigentlichen See ist. Dort fanden wir dann alle einen gewissen Paddelrhythmus und mit ein bißchen Quatscherei verging die Seequerung dann auch relativ schnell.

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Aufm See

Am Ende des Stausees stand dann die eigentliche Plackerei auf dem Programm: das Umtragen des Staudamms. Wir wählten den kürzesten Weg und so ging es über die „Himmelstreppe“ 333 Stufen abwärts.

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Der laaaaaange Weg abwärts

Am Auslass des Damms hatten wir etwas mehr Wasser als im Oberlauf (ca. 4,9 m³/s). Die Henne wurde hier in weiten Teilen renaturiert, so dass wir weiterhin flotte Strömung, diesmal in zackigen Mäandern, geniessen konnten. Ein kompaktes Baumhindernis mussten wir kurz umheben, bevor die Henne ins eigentliche Stadtgebiet Meschedes vordringt. Dort ging es dann unter Häusern, Straßen und der Sparkasse der Ruhr entgegen.

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Ortsdurchfahrt Meschede

Wir stiegen am Standardausstieg der oberen Ruhr am Parkplatz des Hallenbads. Wieder nur ein kurzer Weg vom Fluss zum Auto, das hatten wir uns nach der Schlepperei am Staudamm aber auch verdient 😉

Insgesamt hat mir die Henne ganz gut gefallen, der Oberlauf war schön spritzig und der Unterlauf war mit den renaturierten Abschnitten echt lohnend. In Kombination mit dem See kommt da irgendwie sowas wie ein kleines Miniabenteuer heraus. Gut, das ist jetzt nix, was ich jedes Wochenende paddeln muss, aber so einmal im Winter ist es schon ganz nett.

Hier noch eine kilometergenaue Beschreibung:

Linker Nebenfluss der Ruhr, entspringt auf 660 m Höhe; Oberlauf nur bei HW fahrbar

Mindestpegel ab Niederhenneborn: 55 cm in Nichtinghausen

Pegel für den Unterlauf (unterhalb der Talsperre): Meschede2 [Mindestpegel bisher unbekannt]

15,2       Brücke Niederhenneborn, mögliche Einstiegsstelle; ab hier sehr enger Kleinfluss, einige Stufen und kleinere Schrägwehre, Baum- und Stacheldrahthindernisse

11,8       Straßenbrücke Herhagen-Kirchrarbach, weitere mögliche Einstiegsstelle, kurz danach von re Mündung des Rarbachs mit erheblicher Wasserzufuhr, ab hier ist die Henne etwas breiter, keine Drahthindernisse mehr

11,6       Schrägwehr, fahrbar

9,1         Pegel Nichtinghausen

8,3         Beginn des Rückstaus des Vorstaubeckens des Hennesees

7,3         Vorstaudamm li umtragen

2             Staudamm zum Umtragen rechts aussteigen und dann über den Damm auf der „Himmelstreppe“ hinuntertragen

0,9         re Mündung Kleine Henne

0             Mündung in die Ruhr

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