Dieses Jahr wollten wir in den Herbstferien mal was Neues ausprobieren. Normalerweise haben wir sonst immer die Zeit genutzt um in Inn- und Oetztal paddeln zu gehen. Da die Ferien dieses Jahr in NRW aber so außerordentlich spät waren, hätten wir dort aber höchstens noch Skifahren können. Stattdessen sollte ein Reiseziel her, dass noch ein wenig warmes Wetter verspricht, so dass auch die Kinder noch ins Boot steigen können. Nach kurzer Überlegung fiel unsere Wahl auf Spanien jenseits der Pyrenäen. Über die Bäche dort gibt es in Deutschland meist keine oder eher ältere Informationen, unser Abenteuergeist war also erwacht.

Stunden-, ja tagelang sammelte ich also Informationen zu den verschiedensten Flüssen im Internet, bis endlich ein grober Plan ausgearbeitet war, was man dort paddeln könnte.

Allier, ein Klassiker als Reisebach

Mehr als 1.800 km sind es von uns Zuhause bis zu den südlichsten Bächen, die wir paddeln wollten. Keine Frage also, dass wir uns die lange Anfahrt mit einigen (Paddel-)Zwischenstopps versüßen wollten. Der Allier liegt zwar nicht direkt auf der Reiseroute, stand aber schon länger auf unserer Agenda, halt ein echter französischer Klassiker, den man mal gefahren sein sollte.

Unseren Einstieg wählten wir in Langeac, sozusagen am Beginn der Wildwasser-Wanderstrecke. Der Pegel war relativ niedrig aber dennoch ausreichend.

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Samuel surft am Start mit selbstgebautem „Grasboot“

Am Fluss war auch so einiges los, im Ortsbereich von Langeac säumten zahlreiche Angler die Ufer. Wir bekamen schon ein schlechtes Gewissen, dass wir vielleicht mitten in ein Abangeln oder so geraten wären, doch die Franzosen nahmen es mit Humor. Sie feuerten die Kinder an und einer scherzte sogar, wir sollten uns vor seinem Kollegen in Acht nehmen, er angle heut zum ersten Mal.

Sobald wir aber den kleinen Ort hinter uns gelassen hatten, wurde es an den Ufern viel ruhiger. Stattdessen wartete der Allier mit einigen kleinen Schwällchen auf. Nix besonders wildes, dafür aber schön kurzweilig. Im DKV-Flussführer werden einige Stellen explizit benannt, die aber in Wirklichkeit nicht viel wilder als die anderen Stellen waren. Bei einer diskutierten wir sogar länger, ob das jetzt eine der wilderen Stellen war, oder nicht. Naja, vielleicht lag es aber auch nur an unserem niedrigen Wasserstand.

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Zwei Wehre sollten uns auf der Strecke auch erwarten. Das erste kündigte sich durch den Rückstau schon von weitem an. Die Bootsgasse auf der linken Seite sah ziemlich sportlich aus, da nach der Rutsche noch eine kleine Stufe kam, die allerdings nach rechts versetzt war. Mit dem langen Zweier wäre die richtige Linie sicher nicht so leicht zu erwischen und auch Sammy hatte keine Lust, sich vor der Stufe zu verbaseln. Wie gut, dass man das Schrägwehr direkt daneben einfach, wenn auch mit wenig Wasser, herunterrutschen konnte. Nachdem beide Boote sicher unten angekommen waren, wählte ich die „Actionroute“ über die Fischtreppe.

Das zweite Wehr kurz hinter dem Örtchen Chilhac fanden wir nur noch zerfallen vor. Dafür war hier ein spritziger Schwall entstanden, der munter um die Ecke schoss. Sehr spaßig. Kurz darauf erreichten wir dann in Lavoute-Chilhac gegenüber der malerischen Kirche unseren Ausstieg.

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Nach dem Paddeln, es war relativ spät geworden, fuhren wir noch bis kurz vorm Sonnenuntergang weiter. Zum Schlafen und Kochen fuhren wir dann von der Autobahn ab und fanden einen schönen Übernachtungsplatz am Lac du Salagou (auch wenn wir uns nicht trauten, direkt am See zu schlafen, wo wir gekocht und gegessen hatten, weil Camping dort verboten war, stattdessen schliefen wir in der Nähe auf einem Wohnmobilstellplatz).

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Abendstimmung am Lac de Salagou

Wandertag, Plan B

Früh machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg. Ursprünglich wollten wir einen Abschnitt auf dem Tech am Rande der Pyrenäen paddeln, doch auf dem Weg dorthin stellten wir per RiverApp fest, dass der Pegel drastisch gefallen war und so eine Befahrung unmöglich wurde. Ein Alternativplan musste also her. Auf der Karte entdeckten wir eine sehenswerte Schlucht, die Gorge de la Massane, ganz in der Nähe. Hier wollten wir eine kurze Wanderung machen. Vor Ort war dann eine Wanderung zum Tour de Massane ausgeschildert. Da der Turm so imposant über den schönen Tal thronte, stand es für uns außer Frage, dorthin zu wandern.

Der Weg führte uns zunächst durch einen dichten Korkeichenwald, bis wir den Hügelgrat erreichten. Dort blies uns ein kräftiger Wind um die Nasen, dafür hatten wir aber einen fantastischen Ausblick auf das Meer und die der Pyrenäen vorgelagerten Ebene.

Diesen Urlaub hatten wir zum ersten Mal keine Kraxe für Jakob mit dabei, so dass er alles alleine wandern musste. Er machte seine Sache echt klasse, wir machten insgesamt ca. 1000 Höhenmeter und waren knapp fünf Stunden unterwegs. Lediglich ein kurzes Stück bergab wurde er von Paul getragen, weil er da schon so müde war, dass er immer wieder stolperte. Für Sammy war die Wanderung schon fast ein Klacks, mittlerweile ist er beim Wandern nicht viel langsamer als die meisten Erwachsenen. Er lief immer wieder vor und kletterte zwischendurch auch mal auf den ein oder anderen Felsen um eine bessere Aussicht zu haben.

Nach der Wanderung ging es dann endlich nach Spanien. Wir fuhren bis nach L’Estartit und fanden an der Mündung des Rio Ter einen wunderschönen Schlafplatz am Strand.

Strandtag

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Dass man als Paddler im Urlaub flexibel sein muss, zeigte sich erneut am nächsten Tag. Eigentlich wollten wir ein Stück an der Steilküste der Costa Brava entlangpaddeln, dafür hatte Sammy sogar voller Vorfreude Taucherbrille und Schnorchel eingepackt. Doch am Morgen blies der Wind, der uns am Tag zuvor schon beim Wandern geärgert hatte, immernoch kräftig. Laut Wetterbericht mit 5-6 Beaufort. An eine Küstenpaddeltour in WW-Booten und mit Kindern an einer Steilküste entlang war also nicht zu denken.

Stattdessen verbrachten wir den Tag mit Lebensmittel einkaufen, Wellensightseeing an den Felsen, Brandungspaddeln, schwimmen und Sandburgen bauen.

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Ich hatte vor allem meinen Spaß am Brandungspaddeln und war damit eine ganze Zeit beschäftigt. Irgendwann wollte Sammy auch mal sein Glück probieren. Paul und ich erklärten ihm, dass das ganze bei dem Wellengang nicht ganz so einfach wäre, aber er bestand trotzdem darauf, es wenigstens mal zu probieren. Im Boot stellte er dann beim Rauspaddeln schnell fest, dass die Wellen ja doch ganz schön riesig sind und wollte sich sofort wieder ans Ufer retten, dabei erwischte ihn dann eine Welle und spülte ihn einmal ordentlich durch. Er war sofort aus dem Boot raus und obwohl er sich dabei ganz schön wehgetan hat (Bein aufgeschürft), nahm er am Abend die ganze Aktion schon wieder mit Humor.

Barcelona

Ein wenig Kultur sollte diesen Urlaub auch auf dem Programm stehen, daher nutzten wir den nächsten Tag, um uns Barcelona anzuschauen.

Ebro, ein schöner Wanderfluss

Nach den vielen Tagen ohne richtige Paddelei hieß es nun endlich wieder für eine Tour aufs Wasser zu steigen. Der untere Ebro verfügt aufgrund seiner Größe nämlich über eine Wassergarantie und zwar das ganze Jahr über. In Asco, kurz unterhalb eines Kernkraftwerks stiegen wir an einem offiziellen Bootsanleger ein (diese Anleger gibt es in diesem Bereich häufiger, oft sind sie auch von der Straße aus mit „Embarcador“ ausgeschildert). Hier erinnerte uns der Ebro ein wenig an die heimische Weser, ein breiter Fluss mit guter, gleichmäßiger Strömung.

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Auf dem Wasser mussten wir dann feststellen, dass der Ebro doch ein wenig anders ist. Mal floß er kräftig daher, dann stand er wieder komplett. Auch die Flusstiefe variierte ganz schön, mal war er unglaublich tief, mal nicht viel tiefer als 20 cm. Insgesamt also recht natürlich. Auf dem von uns gewählten Abschnitt durchbricht der Ebro ein kleines Gebirge, sehr schön anzusehen, auch wenn die nahegelegene und leider vielbefahrene Straße eine unschöne Geräuschkulisse schuf.

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Ab dem Ort Garcia wurde es ruhiger und wir hatten ausgiebig Muße, die felsigen Ufer zu betrachten, die sich auf kurzer Strecke mit bizarren Formen und kleinen Höhlen präsentierten. Außerdem erblickten wir die wohl größte Kormoran-Kolonie, die wir bisher je gesehen hatten. Jakob fand es besonders erheiternd, dass sich der gesamte Schwarm, bevor er sich von einer Insel in die Lüfte erhob nochmal kurz erleichterte.

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Kurz hinter Benissanet stiegen wir unter der Brücke der Nationalstraße aus, hier war der Ausstieg an sich vielleicht nicht so optimal, dafür konnte man dort aber gut parken und es gab einen kleinen Picknickplatz zum Pause machen.

Anschließend hieß es für uns wieder: Auto fahren. Wir wählten dafür die Autobahn, die zwar mautpflichtig, dafür aber schön leer und gut ausgebaut ist.

Turia, Schilf, Schilf überall Schilf

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Symbolbild „Schilf“

Bis nach Valencia hatten wir es nun also geschafft. Mit der Turia stand nun ein Fluss auf dem Programm, über den wir kaum Informationen hatten. Im Internet hatte ich bloß herausgefunden, dass er einen relativ konstanten Pegel hat und dass es hier auch Leihbootfahrer geben soll. Insgesamt sah das alles relativ easy aus, vor allem da sich die Turia hier durch eine flache Ebene schlängelt. Wir beschlossen daher, dass Jakob sich hier ruhig mal als Einerfahrer probieren könne. Er hatte Zuhause schon 2 km alleine auf der Lippe bewältigt und auf der Ruhr am Bootshaus schon so einige Meter alleine zurückgelegt, er war also voll im Training 😉 .

Der Einstieg der Turia sah schonmal sehr vielversprechend aus: ein kleiner Fluss mit munterer Strömung. Da klar war, dass Jakob nicht die ganze Strecke (angepeilt waren ~ 15 km) alleine schafft, fuhr Paul erstmal alleine im Zweier. Sammy machte heute stolz den Vorfahrer, während ich mich um Jakob kümmerte. Er bekam es auch ganz gut hin, auch wenn ich ihn manchmal vor den Schilfpflanzen, die zu beiden Seiten in den Fluss wucherten, retten musste.

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Mit der Zeit wurde der Uferbewuchs immer dichter und so kam es, dass Jakob sich seine erste „Einerverletzung“, wie er es nannte, zuzog: er war in einer Dornenranke hängen geblieben und hatte nun mehrere Stacheln in der Hand stecken. Die Dornen wurden natürlich sofort operativ entfernt, was er sehr tapfer hinnahm. Danach war Jakob aber sehr vorsichtig und wollte immer mehr im Päckchen fahren, dass nun auch immer wieder abgeknickte Schilfhalme (von der stabilen Sorte) im Flusslauf hingen, machte die Sache nicht leichter. Jakob wollte gerne in den Zweier umsteigen. Das sahen wir sofort ein und er stieg direkt auf dem Wasser um, da man an den Ufern beim besten Willen nicht herauskam. Mit dem Cowtail nahm ich dann Jakobs Bötchen in den Schlepptau.

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Dass es die richtige Entscheidung war, zeigte sich dann auf den nächsten Kilometern. Immer wieder gab es Hindernisse in Form von Schilfpflanzen. Mal wucherten sie über die halbe Flussbreite, mal ging es halb Tunnelförmig unter ihnen her. Dabei floss die Turia munter vor sich hin.

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Ein begleitender Radweg kreuzte öfter den Bach und hinter jeder dieser kleinen Brücken gab es eine Steinschüttung. Eine hatte eine perfekte Mini-Surfwelle gebildet, an der Sammy sich einige Zeit austobte.

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Nachdem wir ca. die Hälfte unserer Tour geschafft hatten, wollten wir eine Pause am Ufer machen, was leichter gesagt als getan war, wegen der Schilfpflanzen. Nach einiger Sucherei fanden wir dann aber eine der eher rar gesähten Kiesbänke für unsere wohlverdiente Pause. An dem Tag war es sehr warm, so dass Sammy sich sogar während des Essens aus seinem Shorty schälte, weil er so sehr schwitzte.

Nach der Pause ging es unverändert auf der Turia weiter, bis kurz vor Schluss wohl das schwierigste Schilfhindernis kam. Man musste von rechts in einen Schilftunnel fahren und dann rückwärts paddelnd links im Tunnel ins Kehrwasser fahren um sich anschließend durch dichtes Schilfgewächs zu kämpfen. Ich fuhr als erste und setzte mich in den Schilfbusch um eingreifen zu können, falls Sammy das Kehrwasser nicht bekommt. Der Move war für ihn auch gar nicht so einfach, da die Strömung gerade an dieser Stelle natürlich besonders hoch war. Zu allem Unglück verdhedderte er sich auch in der Anfahrt in einem der superstabilen Schilfhalme. Ich hatte ihn mit meinem Boot einfach geplättet, da Sammys Boot vorne aber viel flacher ist, fädelte der Stock falsch ein und blieb dann vor Sammys Körper hängen. Zum Glück bewahrte er aber die Ruhe, wurschtelte sich in der Strömung seitlich aus dem Stock raus und landete erfolgreich neben mir an und bewältigte den Rest ohne Probleme. Nach dieser Aktion ist er auf jeden Fall fit für die Sauerlandsaison 🙂 .

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Kurz vor Schluss warteten dann noch drei Wehre auf uns, das hatten wir am Abend vorher schon erkundet, da wir am Ausstieg geschlafen hatten. Das erste Wehr war ein leicht zu fahrendes Schrägwehr, gefolgt von der wohl überkandidelsten Pegelanlage, die wir je gesehen hatten, was leider auch eine Rücklaufstufe mit einschloss, die nur bedingt fahrbar war. Da man nach dem Schrägwehr nicht mehr rauskam und die Pegelanlage videoüberwacht war, mussten wir weiträumig umtragen. Wie gut, dass alle mitanpackten, so hatten wir diese Anstrengung schnell hinter uns gebracht. Die letzten Meter bis zum dritten Wehr waren wieder offen und so probierte sich Jakob zum Abschluss nocheinmal als Einerfahrer. Diesmal ohne Hilfe und Päckchen fahren, ein schöner, positiver Ausklang für unseren kleinen Paddler.

Nach dem Paddeln war wieder Autofahren angesagt. Wir verließen die dicht besiedelte Küstenregion und drangen vor ins fast menschenleere Landesinnere. Am Rio Cabriel schlugen wir unser Lager inmitten von zahlreichen Rosmarinbüschen auf.

Cabriel, ein Traumbach in der Einsamkeit

Da wir am Einstieg des Cabriels geschlafen hatten, brachte Paul das Auto mit dem Fahrrad vor. Am Cabriel kein leichtes Unterfangen. Mit dem Auto ging es über 35 km auf der weit abgelegenen Straße zum Ausstieg an der N-322 und zurück mit dem Rad ging es über eine holprige und recht hügelige Schotterstraße, die relativ nah am Fluss entlangführte. Alles in allem ganz schön zeitaufwändig.

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Währenddessen wartete ich mit den Kindern am Einstieg. So früh am Vormittag war es noch verdammt kühl und die Sonne kroch nur langsam über die umliegenden Hügel. Sobald aber die ersten Strahlen den Schotterplatz erreichten, sammelten wir uns auf dem kleinen Lichtfleckchen und wärmten uns. Zwei Stunden später, als Paul dann endlich mit dem Rad zurückkam, war es schon ziemlich warm geworden. So warm, dass keiner von uns eine Paddeljacke anzog und sogar Jakob nur ein T-Shirt mit langem Neo trug.

Der Cabriel hat eine Traumfarbe, schön klar und blau leuchtend. Kurz nach dem Einstieg schieben sich die Hügel näher an den Fluss und werden ziemlich felsig. Kleine Schwällchen wechseln sich mit ruhigen Flachwasserpassagen ab. Ähnlich wie beim Turia, aber nicht so extrem ist das Schilf am Ufer an vielen Stellen allgegenwärtig. So bald am Ufer bedonders steile Felswände mit einem interessant liegenden Felsen auftauchen, erreicht man die beiden schwersten Stellen des Flusses (WW II-II+). Im Prinzip geht es da offen runter, man sollte aber trotzdem die Linie treffen. Besonders bei der zweiten Stelle war für Sammy Vorsicht geboten, da das rechts lauernde Plumpsklo für so einen kleinen Paddler sicher einiges an Verschluckpotential geboten hätte. Doch mittlerweile klappt das mit der Linie treffen im WW II ziemlich sicher, so dass wir uns nicht großartig um ihn sorgen mussten. Er ist sogar schon so weit, und so gewitzt, dass er nicht immer hinter einem her paddelt, wenn ihm die Linie nicht passt. Das musste ich kurz darauf feststellen, als ich ihn durch eine dicke und schön steile Welle locken wollte. Er fuhr einfach drumherum, mit voller Absicht, da er nicht wollte, dass sie sich über ihn überschlägt.

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Geschickt gekniffen

Die Schwälle des Cabriel luden ansonsten super zum Trainieren ein. Auf den ersten Blick wirken sie wie die bosnischen Tuffstufen der Una, doch bei näherem Hinsehen, stellten wir fest, dass die Stufen aus festem Lehm waren. Das kannten wir so auch noch nicht. In jedem Fall konnte man hier super Kehrwasser fahren trainieren und so sprangen Sammy und ich von Kehrwasser zu Kehrwasser. Es ist richtig schön zu sehen, wie sehr sich Sammy zur Zeit fürs Kehrwasser fahren und dabei insbesondere fürs „Reinspringen“ begeistern kann. Und so war ich gleich auch mit viel mehr Freude dabei und wir tobten uns so richtig aus.

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Als wir dann schon eine ganze Zeit unterwegs waren, schaute Paul auf dem Smartphone, mit dem er auch einen GPS-Track aufnahm, nach, wie weit wir noch müssen und stellten mit Schrecken fest, dass wir nicht mal die Hälfte hatten. Laut Flussführer sollte der Abschnitt 18 km lang sein, bzw. nach 18 km sollte ein Wehr kommen und kurz danach käme der Ort vor dem wir aufhören.

Das Wehr, mittlerweile halb zerfallen und mit offenen Durchfahrten, kam bereits nach 12 km, doch von der Straße und dem Ort war weit und breit nichts zu sehen. Da die Sonne mittlerweile schon recht tief stand, gaben Sammy und ich unsere Spielereien auf und paddelten und paddelten. Die Schwälle wurden insgesamt weniger und waren auch nicht mehr so wild. Irgendwann dann, nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit unterwegs waren, sahen wir die hohe Brücke der Nationalstraße, unseren Ausstieg. Der war zwar alles andere als optimal, da wir uns am linken Ufer, das recht steil war, zwischen Schilfpflanzen herkämpfen mussten (für alle, die den Cabriel nachpaddeln wollen: ein Stückchen flussauf kommt man am rechten Ufer über eine Treppe problemlos raus; aber wenn man sowas immer eher wüsste 😉 ). Insgesamt hatten wir 24 km zurückgelegt auf Wildwasser und mit trainieren, so viel hatte Sammy vorher noch nicht geschafft (40 km Weser im Einer sind bei weitem nicht so anstrengend, wie er fand).

Da es schon so spät war, verzichteten wir darauf, das Rad noch am gleichen Tag abzuholen. Stattdessen folgten wir dem Schotterweg flussauf zu einem Picknickplatz, wo wir unser Lager aufschlugen. Auf dem Weg dorthin sahen Sammy, Jakob und ich dann auch die einzigen anderen Menschen an diesem Tag: zwei Wanderer, die zu Fuß die Schlucht entlangliefen. Wenn man will, kann man auch nur bis zu dem Picknickplatz paddeln, dann beträgt die Strecke ca. 20 km.

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Wie schön, dass man überall spielen kann

Alles in allem hat uns der Cabriel sehr gut gefallen, diese magische Wasserfarbe in Kombination mit der einsamen Landschaft, einfach traumhaft. Dass der Abschnitt etwas lang geraten war, passiert halt schonmal, wenn man auf weniger bekannten Flüssen unterwegs ist, da ist die Kilometrierung nicht immer korrekt.

Jucar, kein Wasser => Reisetag

Früh ging es für uns am nächsten Tag weiter. Wir folgten dem Schotterweg, was mit unserem Transit echt gut ging, die Straße war zum Glück auch trocken. Nachdem wir das Rad eingesammelt hatten und uns in Richtung Jucar auf einer recht interessanten Asphaltstraße aufmachten, mussten wir feststellen, dass es am Wochenende anscheinend vorbei ist mit der Ruhe. Unzählige Rafter und auch ein Paddler kamen uns entgegen. Wobei die Rafter nur eine kurze Strecke von ca. 5 km raften. Auf dem Weg zum Jucar deckten wir uns in dem größeren Ort Casas-Ibanez mit Lebensmitteln und Trinkwasser ein. Besonders viele Einkaufsmöglichkeiten gibt es in der Region nicht immer oder die Läden haben nur kurze Öffnungszeiten.

Am Einstieg des Jucars angekommen, staunten wir erst mal nicht schlecht über die weißen Kalkfelsen, die sich beidseits des Flusses erhoben. Der Wasserstand sah ganz passabel aus, kurz oberhalb des Einstiegs stürzte der Bach über eine ca. ein Meter hohe Tuffstufe. Über eine mögliche Befahrung des Jucars in diesem Bereich hatten wir keinerlei Informationen. Vom Charakter her ließen die Bilder bei GoogleMaps auf einen Tuffstufenbach mit vielen Zahmwasserpassagen schließen. Wir waren gespannt. Frohen Mutes brachte Paul wieder mal das Auto vor. Die Kinder entdeckten eine Schilfhöhle am Ufer, in der sie sich sofort zum Spielen verkrochen, während ich unsere Paddelsachen zum Trocknen aufhängte. Keine halbe Stunde später war Paul wieder zurück. Die Kinder jubelierten darüber, dass das Vorbringen diesmal so schnell ging, doch ich konnte schon an Pauls Miene ablesen, dass er keine guten Nachrichten hatte. Und tatsächlich, ein Großteil des Wassers wird zwischendurch abgeleitet um die umliegenden Felder zu bewässern und über die vorhandenen Stufen fließt kaum noch Wasser. Geblieben wäre nur Staustücke und Geschrappe, zwar in wunderschöner Landschaft, aber das wollten wir uns nicht antun. Eine schnelle Entscheidung musste also her. Wir rechneten kurz durch, wie viele Tage auf wie viele Flüsse noch blieben. Für eine Befahrung des oberen Cabriel war es mittlerweile zu spät. Er soll zwar das schönste Wildwasser der Gegend bieten, aber er liegt auch genauso einsam, wie der Abschnitt, den wir gefahren waren. Sprich lange Autoumsetzerei, zudem gibt es für den Abschnitt auch keine Wassergarantie, da sich der Einstieg direkt unterhalb eines Staudamms befindet. Da wir sowieso einen reinen Reisetag vom Jucar/Cabriel zum Tajo eingeplant hatten, verlegten wir ihn nun also einfach vor.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, ging alles Ruckzuck. Paul und ich luden die Boote, während die Kinder die Paddelsäcke vom Fluss zum Auto hochschleppten. In Windeseile waren wir fertig und Abfahrtsbereit. Bevor wir jedoch losfuhren, checkten wir aber noch am Navi, wie weit es von dort, dem südlichsten Punkt unserer Reise bis nach Hause ist: 1900 km. Die Kinder waren beeindruckt, wie weit wir im Süden waren.

Danach stand dann wieder jede Menge Fahrerei auf dem Programm, aber nicht nur. Am oberen Jucar schauten wir uns die „Ciudad Encantada“, die verzauberte Stadt an, ein Felsenmeer mit super Kletterfelsen. Der richtige Ort für die Kinder um sich nach einer langen Autofahrt auszutoben.

Irgendwann war Jakob dann auch ganz gerädert von der vielen Kletterei (Sammy hätten wir da sicher fünf Tage da lassen können), so dass wir unseren Weg Richtung Tajo fortsetzten.

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Blick vom Aussichtspunkt „Ventano del Diablo“ in die obere Jucarschlucht, leider zu wenig Wasser

Tajo, noch ein Traumfluss in der Einsamkeit

Am nächsten Morgen waren wir früh auf den Beinen. Wir hatten auf einem Parkplatz einer nur wenig befahrenen Straße geschlafen und mussten nun noch einige Kilometer bis zum Tajo zurücklegen. Der Weg führte uns über die spanische Hochebene bis es hinab ins Flusstal ging. Es war ziemlich frisch, wir waren aber auch auf knapp 1000 m, bzw. ca. 800 m auf Flusshöhe. Auf den Wiesen hatte sich auf jeden Fall schon Raureif gebildet.

Laut spanischen Beschreibungen soll man bestimmte Abschnitte des Tajos das ganze Jahr über fahren können. Entsprechend groß war unsere Enttäuschung, als am Einstieg an der Puente de San Pedro der Fluss nur als Rinnsal zwischen den Steinen herfloß. Nun war guter Rat teuer. Hier konnten wir nicht einsteigen, das wäre eine ewige Rutscherei geworden. Im Vorfeld hatte ich aber noch einen weiteren Abschnitt flussab rausgesucht, dort wollten wir schauen, ob eine Befahrung vielleicht möglich ist. Die Straßen am Tajo verlaufen alle sehr weit abseits des Flusses und so dauerte es seine Zeit, bis wir einige Kilometer flussab in Valtablado del Rio den Fluss wiedersahen. Hier passte der Wasserstand dann endlich. Wir fuhren sogar noch ein Stückchen flussauf bis Ocentejo. Von dort aus folgten wir einem Feldweg soweit, bis unser Auto nicht mehr weiterkam. Während die Kinder und ich Boote und Klamotten zum Fluss schleppten, machte Paul sich an die schwierige Aufgabe, das Auto vorzubringen. Drei Stunden, unzählige Höhenmeter und noch mehr Schotterpiste später war auch diese Anstrengung vollendet.

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Auf dem Weg zum Fluss bei Valtablado del Rio

In weiser Voraussicht (wir hatten vom Cabriel gelernt), dass es durch das Auto vorbringen recht spät werden könnte, hatten wir diesmal die zwei Zweier abgeladen. Wir gingen immerhin erst um zwei Uhr aufs Wasser. Der Tajo empfing uns mit einer unglaublich unrealen Wasserfarbe von smaragdenem Ausmaße, so wunderschön, dass er sich hinter Soca, Ara und co. nicht verstecken muss. Wildwassertechnisch ging es eher beschaulich los. Den Tajo kann man nämlich getrost als „Stufenbach“ bezeichnen. Das heißt, viel Flachwasser, das von kleineren Stufen oder Schwällchen unterbrochen wird. Alles so im Bereich WW I-II (II+), wobei die schwierigste Stelle aus einer „Grasbüschelverblockung“ bestand und mit den Zweiern recht interessant, weil eng, zu befahren war. Am unglaublichsten war eigentlich die Einsamkeit, in der wir uns bewegten. Am Cabriel hatte man ja noch öfter die Schotterstraße am Ufer gesehen, doch hier war einfach nix in der Nähe. Einmal kreuzten wir in Valtablado del Rio die Straßenbrücke, aber ansonsten sahen wir kein einziges Zeichen von Zivilisation. Dafür ging es durch eine schöne Schluchtstrecke mit bizarren Felsformationen, entlang (na klar) schilfbewachsener Ufer und gelb gefärbten Laubbäumen.

Das einzig ärgerliche an diesem Tag war unser Zeitmangel, ständig mussten wir im Blick behalten, dass die Sonne bald untergeht. Ansonsten hätten wir uns sicher für einige Zeit an einem der zahlreichen schönen Pausenplätzen niedergelassen.

Kurz vor Schluss begann dann der Rückstau eines Wehres, welches so noch nicht im Flussführer verzeichnet ist. Paul hatte das Auto am Wehr abgestellt (der erste Punkt an dem man mit dem Auto wieder an dem Fluss kam) und wir wussten, dass wir nur noch diesen Stau bewältigen mussten. Doch er zog und zog sich, die Sonne stand tief und blendete uns, so langsam wurde es auch ziemlich frisch und hinter jeder Kurve vermuteten wir den Ausstieg. Jakob machte das einzig richtige in der Situation und schlief erstmal ein. Der Rest von uns löffelte hingegen ordentlich rein um endlich das Ziel zu erreichen, schade, dass hier ein Stück dieser schönen Schlucht im Stau für immer versunken ist.

Abgekämpft und etwas verforen kamen wir am Ausstieg an. Wir waren uns aber alle einig, dass der Tajo ein echter Traumbach ist: die Wasserfarbe, die Landschaft und auch das (zwar leichte) Wildwasser hatten uns alle fasziniert. Wir fassten direkt den Entschluss, nocheinmal im Frühjahr wiederzukommen um die übrigen WW-Abschnitte zu befahren. Wer weiß, vielleicht sogar als Gepäcktour.

Nach dem Paddeln fuhren wir mit dem Auto direkt weiter Richtung Soria um den Duero am nächsten Tag zu paddeln. Wir fuhren soweit, bis wir keine Lust mehr hatten, tankten, suchten vergeblich nach einem Restaurant, das schon geöffnet hatte und landeten dann auf einem Wohnmobilstellplatz, wo wir uns mit Brot und Ei als Abendbrot begnügen mussten.

Duero, die spanische Lippe

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Nach den Strapazen am vorigen Tag wollten wir es nun etwas gemütlicher angehen lassen. Zunächst einmal stellten wir fest, dass wir unseren Schlafplatz an einem sehr sehenswerten alten Dörfchen (mitten auf einem Hügel in 1200 m Höhe) gewählt hatten. Also machten wir erstmal ein wenig Kultur und schauten uns im Ort Medicanelli um.

Danach fuhren wir dann entspannt weiter zum Ausstieg des Dueros. Besonders wild sah er nicht aus, aber er floß wenigstens. Samuel beschloss trotzdem, nochmal im Zweier zu fahren. Der landschaftliche Kontrast zum Tajo hätte übrigens nicht größer sein können, denn obwohl wir uns auf ca. 1000 Höhenmeter bewegten, waren weit und breit nur sanfte Hügel zu sehen.

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Das machte sich dann auch auf dem Fluss bemerkbar. Der Duero ist hier ein kleines Wanderflüsslein mit wenigen kleineren Baumhindernissen. Eins davon mussten wir umtragen, der Rest war problemlos zu befahren.

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Trotz der Höhe säumte auch hier an weiten Teilen das allgegenwärtige Schilf die Ufer. Es war an dem Tag verdammt windig, auf dem Fluss merkten wir davon zum Glück nichts, doch der Wind fegte über die trockenen Felder und wehte den feinen Staub durch die Luft. Der sorgte nicht nur für knirschende Zähne, sondern auch für eine recht interressante Atmosphäre.

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Eigentlich hatten wir geplant gehabt, eine Strecke von 17 km (laut DKV-Flussführer) zu paddeln, doch wir erreichten den Ausstieg viel früher als erwartet. Nach einem Blick auf den GPS-Track wurde uns klar, warum. Die Strecke betrug in Wirklichkeit nur 10 km. Das fanden wir an dem tag gar nicht mal so schlimm, wollten wir es doch eh ruhiger angehen lassen.

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Es geht abwärts, von der Meseta Richtung Atlantik

Den Abend verbrachten wir dann sogar in Haro auf einem Campingplatz. Hier konnten wir endlich mal alle in Ruhe und Wärme (und nicht nur mit der Solardusche) duschen.

Atlantik, Ruhetag

Neben dem Strandtag am Mittelmeer, hatte ich den Kindern einen Ruhetag am Atlantik versprochen. Wir wanderten bei Armintza an der Küste entlang, sahen tolle Steilküsten, fanden schöne Steine und entdeckten sogar einen Tintenfisch im Wasser. Danach fuhren wir die Küste entlang und besichtigten das Kloster San Juan de Gaztelugatxe, für Jakob eine echt steile und anstrengende Wanderung, die aber mit wunderbaren Ausblicken belohnt wurde.

Am Abend erreichten wir dann den Urumea, er mündet in San Sebastian in den Atlantik und soll oberhalb eine echt schöne Waldschlucht mit Schwierigkeiten bis WW III haben. Wir fanden die schöne Schlucht, doch leider kein Wasser. Da es schon spät war, blieben wir trotzdem zum Schlafen in diesem sattgrünen Tal. Der Fluss sah auch echt vielversprechend aus. Vielleicht nicht unbedingt Zweiertauglich, da wir einige Steilwehre sahen, aber für Paul und mich alleine sehr gut machbar. Also ein weiterer Fluss für unsere „to paddle“-Liste 😉 .

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Abendbeschäftigung im Dunkeln: Spülen.                  Kein seltenes Bild diesen Urlaub

Nive, ein astreiner Trainingsfluss

Die Nive ist ein Pyrenäenfluss mit Wassergarantie das ganze Jahr über. 2015 waren Paul und ich auch schon ein Stück auf ihn gefahren, nun wollten wir einen Abschnitt, der sich teilweise mit dem bisher bekannten überschnitt, fahren.

Die kurze Waldschlucht zwischen Itxassou und Cambo-les-Bains wird im DKV-Flussführer nicht wirklich angepriesen, ist aber ein wunderbarer (und einsamer) Abschnitt für Wildwasseranfänger. Wir hatten zwar nur wenig Wasser, aber die großen Felsbrocken im Fluss boten für Sammy hervorragende Möglichkeiten, um Kerhwasserfahren und Traversieren zu üben. Die meisten Stellen sind auch nicht besonders schwer, WW I-II. Lediglich kurz vor dem Kurort Cambo-les-Bains kommt eine Stelle, die etwas darüber liegt. Hier ist auf jeden Fall präzises Fahren gefragt, muss man doch erst rechts ins Kehrwasser springen um ein dickes Loch zu vermeiden um danach im Zickzack zwischen Felsen hin- und herzuschießen. Für Sammy definitiv eine Herausforderung, die er mit Bravour meisterte. Hier zahlte sich aus, dass wir den ganzen Urlaub zuvor so viel Kehrwasserfahren geübt hatten, dadurch wurde seine Befahrung nämlich nicht zum bloßen runterasten, sondern zu einer kontrollierten und durchdachten Routenwahl. So eine Entwicklung des Fahrkönnens zu sehen macht echt Spaß.

Nach dieser kurzen Waldschlucht wird die Nive deutlich leichter, es gibt zwar zwischendurch immer wieder kleinere Schwälle, aber auch ein bißchen Rückstau vor den zwei folgenden Wehren.

Das erste Wehr wartet gleich mit vier verschiedenen Möglichkeiten zur Befahrung auf: die normale Schräge mit viel Wasser und großer Deckwalze, zwei verschiedene Bootsgassen und eine schräge Rampe mit wenig Wasser und ohne Walze.

Ich fuhr zunächst das eigentliche Wehr und Sammy, Paul und Jakob eine der Fischtreppen. Danach wollte Sammy gerne noch das Wehr mit wenig Wasser fahren, also trug ich ihm das Boot hoch, dabei nutzte ich die Gelegenheit und fuhr dann noch die andere Fischtreppe, insgesamt eine sehr spaßige Angelegenheit.

Am Wehr machten wir auch Pause, so konnten Paul und Jakob schonmal aus dem Boot raus während Sammy und ich uns austobten. Außerdem gab es hinter dem Wehr noch zwei Stufen, von denen die Erste rückläufig war, für Sammy nicht unbedingt fahrbar. Sie wurde nach der Pause dann einfach von Sammy, Paul und Jakob umtragen.

Das zweite Wehr erwarteten Sammy und ich dann mit Spannung und wir malten uns schon aus, auf wievielen verschiedenen Arten wir es wohl fahren könnten. Am Wehr angekommen wurden wir allerdings bitter enttäuscht, neben einem Fischpass gab es nur eine Bootsgasse. Naja, gut war, dass wir nicht umtragen mussten, allerdings wurde man in der Gasse auch nicht beonsders schnell, sie hinterließ bloß ein komisches Fahrgefühl. Sehr seltsam.

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Man sieht Samuel förmlich an, dass er etwas anderes erwartet hat

Hinter der folgenden Brücke erreichten wir dann an einer Art Park unseren Ausstieg. Dort kämpften wir kurz mit einer, anscheinend ausgebüchsten, wilden Ziege, die allerlei Klamotten von uns verspeisen wollte, bevor wir uns schnell aus dem Staub machten, weiter Richtung Norden.

Clain, oder die Angst vor der Dunkelheit

Nach der Nive stand mal wieder viel Fahrerei auf dem Programm, wollten wir doch ein gutes Stück voran kommen. Als einen weiteren Fluss auf unserer Tour hatte ich die Touvre rausgesucht. Sie ist im DKV-Flussführer nicht beschrieben, aber laut Internetrecherche paddeln dort auch Leihbootfahrer. Vor Ort mussten wir dann feststellen, dass sie leider nicht mehr genug Wasser führte. Ein anderer Fluss musste also her. Die Beschreibung der (oder des?) Clain las sicht sehr nett, verfallene Wehre und kleinere Schwälle, zwischendurch heile Wehre. Wir fuhren also nochmal knapp zwei Stunden weiter. Dadurch und weil Paul das Auto mal wieder vorbrachte, waren wir mal wieder recht spät auf dem Wasser. Paul rechnete direkt aus, dass wir ungefähr vier Stunden für die angepeilten fünfzehn Kilometer hätten bis es dunkel wird.

Kein Problem dachten wir, auch wenn wir zunächst den Rückstau eines Wehres auf ca. zwei Kilometern zu bezwingen hatten. Dachten wir. Stattdessen zog sich der Stau elendig hin, bestimmt auf vier bis fünf Kilometern. Sammy war mal wieder im Einer unterwegs, wir waren also auch nicht soo super schnell. Vor allem, da der lahme Fluss auch nicht unbedingt zum Paddeln animierte.

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Immerhin war das Wehr, das dann endlich kam fahrbar. Es ging über ein Schott auf eine kurze Platte und dann noch ein Stückchen abwärts. Sammy rumpelte mit seinem kurzen Bötchen richtig abwärts und Jakob hob vorne im Zweier komplett aus seinem Sitz ab, was nicht nur er unendlich witzig fand.

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Nach diesem kleinen Adrenalinschub war Samuel immerhin wieder ein bißchen schneller unterwegs, nun kamen zwischendurch auch mal kurze Minischwälle (aber nur ganz wenige). Paul schaute nun regelmäßig auf den GPS-Track und gab unsere Durchschnittsgeschwindigkeit durch, denn so langsam machte sich die Sonne am Horizont rar. Das motivierte Sammy und er fing an ein konstantes Tempo von 4-5 km/h auf stehendem Gewässer zu fahren.

Das zweite Wehr, das folgte, hatte leider kein so schönes Schott zum befahren, sondern rumpelte hauptsächlich auf Steine. Während wir noch nach einer möglichen Stelle zum Befahren suchten, ich war zum Besichtigen ausgestiegen, tauchte am Ufer ein Franzose auf. Das Wehr sei Privatgelände, wir dürften hier nicht rumlaufen. Ich erwartete direkt Ärger, doch stattdessen zeigte er uns einen Weg, wo wir umtragen sollten. Kaum war ich jedoch dort aus dem Boot raus, sah ich, dass man direkt daneben, bei langsamer Befahrung runterfahren konnte. Und so staunte der Franzose nicht schlecht, als ich erst Sammy und dann Paul und Jakob langsam über die Wehrkrone hinabließ. So toll er die Befahrung meiner drei Jungs auch fand, ich sollte seiner Meinung nach lieber nicht fahren. Er begann sogar, mein Boot wegzuschleppen. Also fügte ich mich und er zeigte mir voller Stolz eine wunderbare Wiedereinstiegsstelle hinter dem Wehr.

Danach ging es ähnlich „wild“ weiter wie bisher. An der ersten Stelle, wo sich mal ein vernünftiges Kehrwasser gebildet hatte, nutzte Sammy die Gelegenheit und schoss mit viel Schwung in ebenjenes. Was mich erstmal zum Lachen brachte. Nicht nur, weil er mit soviel Freude beim Paddeln dabei ist, nein in diesem Moment wirkte es eher wie die Tat eines Verzweifelten, der endlich ein wenig bewegtes Wasser unterm Hintern hatte und diese Möglichkeit nun voll ausschöpfen wollte.

Kurz vor Schluss teilte sich der Fluss dann, wir wählten den rechten Arm und erlebten wenigstens auf kurzer Strecke den Fluss so, wie wir ihn erwartet hatten: als einen Kleinfluss mit Strömung und regelmäßigen Schwällchen. Der ganze Arm stellte sich als Umfahrung für ein Wehr heraus, dessen Befahrung sehr bescheiden geworden wäre. Wir hatten also alles richtig gemacht.

Die Sonne war schon fast ganz verschwunden, als wir endlich den Ausstieg erreichten. Es war auch schon empfindlich kühl geworden und so sahen wir zu, dass wir uns schnell umzogen und fix die Boote luden. Beim Hochfahren war es dann schon stockdunkel. An im Freien kochen war auch nicht mehr so wirklich zu denken (so richtig motiviert waren wir auch nicht mehr). Daher aßen wir bei Mäcces, was vor allem auch als Belohnung für die Kinder gedacht war, weil sie so gut mitgepaddelt hatten.

Loire, der Wanderklassiker

Nachdem Samuel am Tag zuvor so auf dem/der Clain gefordert worden war, wollten wir es für ihn etwas entspannter angehen lassen. Die Loire ist zwar kurz vor Tours nicht mehr wild, dafür strömt sie aber sehr gut. Jakob sollte paddeltechnisch auch nochmal voll auf seine Kosten kommen, da die Einertour auf der Turia für ihn mit dem engen Flussbett nicht ganz so optimal war. Auf der Loire sollte es solche Schwierigkeiten nicht geben. Und so kam es, dass ein hochmotivierter kleiner Wicht seine dritte Einertour, auf seinem dritten Bach, in seinem dritten Land machte 😉 .

Die Loire strömte wirklich recht flott. Wir stiegen hinter dem Örtchen Amboise ein. ich machte vom Ufer noch ein paar Aufnahmen und schon waren meine drei Mitpaddler weit weg verschwunden. Ich musste ganz schön paddeln, um sie wieder einzuholen. Paul war heute der „Jakob-Aufpasser“, während ich zunächst einmal alleine im Zweier fuhr. Hier auf der Loire hatte Jakob endlich mal genug Platz, um sich voll zu entfalten. Er ist zwar noch nicht besonders schnell unterwegs, Samuel und ich ließen uns sehr oft treiben, dafür kann er schon relativ präzise fahren (was einmal benötigt wurde, weil er mal musste und er dafür genau auf eine Sandbank fahren musste).

Samuel, der auch schon mal zur Ungeduld neigt, war ungewöhlich entspannt na diesem Tag. Er beobachtete nämlich das Flussbett mit den vielen Inseln, den Sandbänken, den Strömungen und Kehrwassern und dem Geschiebe im Wasser ganz genau. Ich erklärte ihm einiges dazu, wie dynamisch ein intaktes Flusssystem eigentlich ist und er lauschte fasziniert. Nur schade, dass man das nicht an noch mehr Flüssen in Mitteleuropa so schön beobachten kann.

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Ein verwaister Sitzplatz
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Wie ein Großer

Jakob paddelte fleißig vor sich hin, doch irgendwann war er dann zu K.O., knapp vier Kilometer hatte er alleine geschafft. Eine super Leistung.

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Danach ging es dann ähnlich, nur etwas schneller, weiter für uns. Wir genossen die schöne Flusslandschaft, sahen etliche Wasservögel und freuten uns über den schnell strömenden Fluss, eine wunderbare letzte Paddeltour für diesen Urlaub.

Paris

Als endgültiger Abschluss des Urlaubs stand dann nochmal ein wenig Kultur auf dem Programm, wobei ein Tag in Paris viel zu wenig ist, wie wir feststellen mussten.

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Zwei Quatschköppe in Paris

Was bleibt nun von diesem Roadtrip außer den vielen Stunden im Auto? Wir haben viele neue Flüsse kennengelernt, einige von ihnen will ich sicher noch weiter erkunden. Den Tajo in seinem wilden Oberlauf, die obere Schlucht des Jucars, die Hoz de Cabriel, wer weiß, vielleicht ist sogar der Oberlauf der Turia lohnenswert (und ohne viel Schilf 😉 ). Im Frühjahr gibt es hier sicher einige Möglichkeiten. Außerdem liebäugel ich nun wirklich mal mit einer Küstentour, die Steilküste an der Costa Brava sah echt verlockend aus. Neben diesen neu gewonnenen Paddelzielen haben wir auch einen ganz anderen Eindruck von Spanien bekommen: Pyrenäen, die Meseta, die Atlantik- und die Mittelmeerküste, alles sieht so unterschiedlich aus, wie wir es uns vorher nicht vorstellen konnten. Auch die Kinder haben soviele neue Eindrücke gesammelt, Großstädte erlebt und haben sich sportlich weiterentwickelt. Es immer wieder schön zu sehen, was für einen Entwicklungsschub die „Kleinen“ in einem solchen Urlaub durchlaufen.