Ehrlich gesagt hatte ich schon länger mit dem Gedanken einer solchen Tour gespielt: mit dem Bootswagen vom Ausstieg aus am Fluss hochlaufen und dann wieder zurück paddeln. Aber ob das überhaupt gut hinhaut? Aus Angst vor einem totalen Reinfall, sollte ein Testlauf erstmal ohne Kinder stattfinden (die machen eh gerade Urlaub). Da Paul zur Zeit auch nicht zu Hause ist, war ich auf mich allein gestellt (Was Mütter halt so machen, wenn sie sturmfrei haben 😉 ).

Meine Wahl für so eine Wander-Paddel-Tour fiel auf die Ems im Münsterland. Zum einen, weil ich am Wochenende eh gerade in Münster unterwegs war und zum anderen, weil es da nur geringe Steigungen und gut ausgebaute Fahrradwege en masse gibt.

Da ich absolut keine Ahnung hatte, wie gut das Laufen mit dem Bootswagen klappt (ich hatte bisher noch keine längeren Strecken mit dem Wagen zurückgelegt), brach ich sehr zeitig auf und war schon um 7 Uhr „ablaufbereit“ am Ausstieg.

Der Anfang liess sich leicht an. Ohne großen Kraftaufwand folgte mir mein Bötchen schön brav, doch dann führte mich die Google Maps Routenplanung erst auf einen holprigen Feldweg und wollte mich dann durch ein Militärisches Sperrgebiet führen.

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Früh am Morgen auf den ersten Metern

Da musste ich dann spontan umplanen und einen Umweg in Kauf nehmen (was später noch zwei Mal der Fall war). Sehr schnell wurde mir, trotz der frühen Morgenstunden, ziemlich warm, mich weiter zu entkleiden traute ich mich aber wegen der vielen Pferdefliegen nicht. So oder so wurde ich ganz schön zerstochen.

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Der Weg war abwechslungsreicher als ich dachte, mal ging es an Feldern und Bauerhöfen vorbei, mal durch kurze Waldstücke. An einigen Stellen standen Infotafeln zu Besonderheiten auf der Strecke, die ich mir nur bedingt angeschaut habe, da ich, jedesmal wenn ich stehenblieb, zum Mückenopfer wurde.

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Nach ca. 12 Kilometern und knapp zweieinhalb Stunden war ich am Einstieg in Telgte. Was für ein schönes Gefühl, endlich meine Beine zu entlasten und auf dem Wasser zu sitzen. So lernt man dieses Gefühl vom dahingleiten auf einmal wieder ganz neu kennen. Die Ems floss sogar ganz gut und ich nutzte, kaum aus Telgte rausgepaddelt, die Gelegenheit für ein zweites Frühstück auf dem Wasser.

Kaum hatte ich mein Frühstück weggepackt, rauschte es hinter der nächsten Kurve schon bedrohlich: eine kleine Sohlgleite, die für ein paar Wellen sorgte.

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Mini-Wellchen in der ersten Sohlgleite

Solche Sohlgleiten gab es noch einige Male, manche sogar recht „wild“:

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Kehrwasserfahren kann man…
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…hier sogar auch ein bisschen üben

Neben diesen kleinen sportlichen Einlagen, hat die Ems auf diesem Abschnitt auch eine schön einsame Naturlandschaft zu bieten. Tatsächlich säumt kaum ein haus das Ufer und Brücken sind auch sehr rar gesät. Dafür gibt es Steilabbrüche mit Schwalbennestern, Sandbänke bis zum Abwinken und umgefallene Bäume, um die man herumpaddeln muss.

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An einer der kleineren Sandbänke
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Immer mal wieder Steilabbrüche

Obwohl ich mir viel Zeit beim Paddeln lasse, habe ich schnell den Ausstieg an der Brücke der K 45 erreicht. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, viel länger für diese ganze Aktion zu brauchen.

Mein Fazit zu so einer Wander-Paddel-Tour: durchweg positiv, das schreit nach Wiederholung. Vielleicht sogar mit den Kindern, dann aber natürlich eine kürzere Strecke

Fahrtstrecke: Telgte – Brücke K 45    15 km

Und hier die (optimierte) Wanderroute:

Anmerkung: Diese Strecke darf man nur nach Anmeldung paddeln, da dort pro Tag nur 50 Boote paddeln dürfen (wegen Naturschutz). Eine Anmeldung ist ganz einfach und unkompliziert auf dieser Seite hier möglich: http://www.kanu-nrw.de/Bootsres/index.php