Besonders berauschend war das Wetter fürs letzte Wochenende ja nicht vorhergesagt, wir wollten aber trotzdem etwas draußen unternehmen. Entgegen der Touren zuvor wollten wir es mal wieder ruhiger angehen lassen, ein reiner 4-Personen-Familienausflug also. Da Samuel mir schon länger damit in den Ohren lag und Jakob mittlerweile keinen exorbitanten Windelverbrauch pro Tag mehr hat, konnten wir endlich eine Gepäcktour angehen. Als Ziel wählten wir die Lahn aus.

Unsere Gründe:

  • nicht weit von uns entfernt (wir hatten nur drei Tage Zeit)
  • landschaftlich ansprechend
  • keine (naja, lediglich eine) Umtrage
  • ein Tunnel zum Durchpaddeln
  • jede Menge Schleusen zum selber bedienen
  • ein neuer Fluss für Paul, Samuel und Jakob (für mich auch ein bisschen, ich war das letzte Mal 1998 im zarten Alter von 10 Jahren auf der Lahn)

Tag 1: Gießen-Leun 32 km

Am Freitagmorgen waren wir früh morgens zu Hause aufgebrochen und fuhren nach Gießen. Dort ließen wir beim SKC Gießen nach einiger Packerei unsere Boote zu Wasser(wobei das gut und schnell vonstatten ging, wir hatten daheim schon einmal probegepackt).

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Das muss alles in die Boote

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Samuel mit neuem Südwester, aka „Suppenschüssel“

Ungewohnt mit dem ganzen Gepäck im Boot war dabei, dass Paul und ich die Zweier nun nicht mehr jeweils alleine ins Wasser setzen konnten. Unsere Strategie für die folgenden Tage sah dann so aus. Erst der Zweier von Samuel und Paul ins Wasser. Wenn genügend Platz vorhanden war, setzte Samuel sich schon mal vorne rein, bei wenig Platz banden wir das Boot fest. Dann folgte der Zweier von Jakob und mir, wir stiegen ein und Paul durfte dann als letzter einsteigen.

Im Regen machten wir unsere ersten Paddelschläge, was aber nicht weiter schlimm war, denn kalt war es nicht und die Kinder waren gut eingepackt. Kurz nach dem Start kommen relativ nah beieinander drei Wehre, die man über eine Bootsgasse jeweils gut umfahren kann. Besonders Jakob war von der ersten Gasse sehr angetan (wahrscheinlich sein Highlight der ganzen Tour), da man hier richtig schnell wurde.

20160527-29Jakob hat Spaß

Nach den drei Wehren schlängelt sich die Lahn dann, relativ schmal und tief eingeschnitten, zwischen Feldern daher. Ein bisschen erinnerte uns dieser Abschnitt an die Lippe. Schnell stellten wir auch fest, zur passenden Jahreszeit unterwegs zu sein. Wir sahen unzählige und diverse Enten(arten) mit ihrem Nachwuchs. Das war nicht nur für die Kinder interessant.

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Ein bisschen wie die Lippe

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Ein unscheuer Fischreiher (die sehen von vorne ganz schön komisch aus)

Nach ca. 10 km dann die erste Schleuse. Für Paul war da dann erstmal kurbeln angesagt: Wasser rein, Tore auf, Tore zu, Wasser raus, Tore auf, Tore zu…Ein klein bisschen Extrasport falls man beim Paddeln nicht ausgelastet ist ;). Samuel musste dafür den langen Zweier alleine vorne drin sitzend in die Schleuse rein- und rausmanövrieren. Was er mit sehr viel Umsicht und einigem Geschick auch gut schaffte. In der Schleuse dann die Spannung für die Kinder, wie in einem Aufzug ging es langsam abwärts. Ein wenig unheimlich wurde es, als irgendwann aus den Klappen der oberen Schleusentore Wasser hervorsprudelte. Zwischen den hohen Steinwände rauschte das dann bedrohlich laut.

Die erste Schleuse

Nachdem wir dann eine weitere Schleuse bewältigt hatten, erreichten wir Wetzlar. Dort gibt es ein Wehr mit Bootsgasse und ein weiteres, welches man umtragen muss. Praktischerweise gibt es dort eine Rollenbahn am Ufer, über die man selbst beladene Boote leicht ziehen kann. Wir nutzten das kurze Umtragen gleich für eine ausgiebige Pause aus.

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In Wetzlar

Umtragen über die Rollenbahn

Mit Blick auf eine alte Steinbrücke und Wasserspiele am anderen Ufer ließ es sichhervorragend pausieren. Mittlerweile war es auch so warm geworden, die Sonne kam sogar raus, dass wir unsere Paddeljacken endlich ausziehen konnten.

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Pause mit Blick auf ein Wasserspiel

Nach Wetzlar wurde es dann voll auf dem Wasser. Waren wir zuvor so gut wie alleine unterwegs, begegneten wir nun immer wieder Leihbootfahrern in ihren Kanadiern.

Drei Schleusen lagen an dem Tag noch vor uns. Da Samuel unbedingt auch den Schleusenwärter spielen wollte, war Jakob nun für den zweiten, jetzt herrenlosen Zweier zuständig. Er durfte beim rein- und rauspaddeln die Schnur des Bootes halten, was er auch mit sehr großem Verantwortungsbewusstsein tat. Samuel und Paul entwickelten währenddessen ein System, um möglichst schnell und effizient zu schleusen (denn so spannend das Schleusen für die Kinder auch war, für Paul und mich bedeutete es irgendwann nur noch warten, warten, warten oder kurbeln, kurbeln, kurbeln…).

Nach der Schleuse in Niederbiel wird die zuvor lahme Lahn endlich zu einem schön schnell fließenden Flüsschen, so dass wir schneller als erwartet in Leun ankamen. An dem Jugendcampingplatz war einiges los, zwei große Jugendgruppen vom THW und den Pfadfindern. Alle etwas aufgedreht und wild am herumtoben (unsere Kinder hingegen waren von der langen Tour ziemlich gerädert und dementsprechend ruhig). Große Aufregung herrschte auch, weil am Abend noch Gewitter erwartet wurden. Ganz so schlimm kam es dann nicht, aber eine kleine Regenfront zwang uns dann doch, unser Abendbrot im Zelt einzunehmen. Da der Regen so schnell auch nicht aufhören wollte, ging der Tag für alle dann auch schnell zu ende, denn außer im Zelt konnte man sich nirgends aufhalten.

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Kochen im Regen…

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…essen im Zelt

Tag 2: Leun-ESV Limburg 35 km

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Frühstück

Nachdem wir uns am Tag zuvor schon so früh ins Bett begeben hatten, waren wir am nächsten Morgen auch dementsprechend früh wach und früh auf dem Wasser. Dichter Nebel lag noch über den Feldern am Ufer, aber der sollte sich bald auflösen. Ganz alleine hatten wir den Fluss für uns, was nach dem Trubel von gestern sehr angenehm war.

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Einsame Morgenstunden auf der Lahn

Kurz vor Weilburg war es mit dieser Idylle dann jäh vorbei. Schon von weitem sahen wir, wie im Minutentakt die Leihbootfahrer aufs Wasser geschickt wurden. In Weilburg selber, direkt am Schifffahrtstunnel kamen dann nochmal etliche hinzu. Das Ganze führte dann dazu, dass wir im Tunnel vor der Doppelschleuse erst einmal im Stau standen. Die Warterei war ziemlich unangenehm, denn neben der vielen Leihbootfahrer, die sich ganz normal verhielten, waren leider auch ein paar wenige dabei, die morgens um zehn schon besoffen rumgrölten und auch noch laut Musik hörten. Durch den Widerhall im Tunnel (und später auch der Schleuse) wurden die Geräusche dann nochmal extralaut verstärkt. Schade, dass solche Leute ein so schlechtes Licht auf alle Paddler werfen…

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Langsam wirds voll

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Tunnelpaddeln

Nach der Schleuse legten wir dann einen ordentlichen Sprint ein, um den Krachmachern zu entkommen. So ganz konnten wir aber nie wirklich in Ruhe paddeln, da wir im weiteren Verlauf des Tages immer wieder auf solche Besoffskis stießen. Eigentlich schade, denn der Abschnitt hat uns landschaftlich hervorragend gut gefallen. Die Straße verläuft weit ab vom Fluss, lediglich die Eisenbahntrasse schlängelt sich neben dem Fluss her. Die Tal ist mittlerweile enger, die Ufer mit einigen Felsen gespickt, die Hügel dicht bewaldet (Im Herbst muss eine Tour auch sehr schön sein).

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Im schönsten Teil der Strecke

An einer Kiesbank fanden wir wohl den besten Pausenplatz des Tages (um den wir auch von einigen beneidet wurden). Hier konnten die Kinder schön spielen, während Paul und ich den strahlenden Sonnenschein genossen.

Die Kinder spielen, der Papa schläft

Trotz unserer ausgiebigen Pause waren wir relativ früh an unserem Schlafplatz beim ESV Limburg. Zum Glück gab es dort einen Spielplatz und einen kleinen Bach, so dass es den Kindern nicht an Beschäftigung mangelte. Später am Abend wiederholte sich dann leider die Prozedur des Vortages- Regen. Diesmal, welch Glück, erst nach dem Essen. Trotzdem saßen wir erneut früh im Zelt und waren dann auch wieder früh am Schlafen.

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Samuel startet den Kocher mit dem Feuerstein

Tag 3: ESV Limburg-KC Limburg 15 km

Für den letzten Tag hatten wir uns eine kurze Tour ausgesucht. Immerhin musste das Auto noch nachgeholt werden und wir mussten auch wieder nach Hause.

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Start am Steg des ESV Limburg

Die erste Schleuse des Tages

So früh, wie wir wieder auf dem Wasser waren, war es schön ruhig. Tatsächlich begegneten wir an diesem Tag keinem anderen Paddler (nur ein paar Ruderern in Limburg). So konnten wir die Landschaft nochmal ganz in Ruhe in uns aufnehmen, denn schön ist das Lahntal wirklich. Samuel und Jakob fanden besonders viel Gefallen an einer riesigen Steilwand aus Kalkgestein, dem „Bodensteiner Lei“. Diese musste erstmal genauer inspiziert werden, immerhin gibt es dort so etwas wie eine kleine Höhle.

Der „Bodensteiner Lei“

Sehr sehenswert ist auch die Ortschaft Runkel mit ihrer Burg, die über allem thront.

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Die Burg in Runkel

Dort gab es dann auch die letzte Schleuse der Tour für uns. Diesmal durfte Jakob auch endlich als Hilfsschleusenwärter mit ran. Mit Begeisterung kurbelte er so gut es ging drauf los (wenn auch nicht immer in die richtige Richtung).

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Die drei von der Schleuse

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In welche Richtung muss denn nun gekurbelt werden?

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Gemeinsam gehts doch besser

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Runkel nach der Schleuse

Nach Runkel gab es noch ein paar kurze Schwallstrecken mit teils erstaunlich hohen Wellen (also für die Lahn). Dann wird der Fluss immer ruhiger, nun ist er auch für die Schifffahrt ausgebaut. Neben vielen Motorbooten, die am Ufer ankerten, begegnete uns noch kurz vor Schluss ein Ausflugsdampfer, der zum Missmut der Kinder nur Miniwellen machte. In Limburg thront statt einer Burg, der Dom über allem. Das Bootshaus des KC Limburg ist sehr zentral gelegen und so konnte ich mit den Kindern einen Ausflug in die wunderschöne Altstadt machen, während Paul das Auto mit dem Zug nachholte.

Unser Fazit der Tour: Zunächst einmal das wichtigste, den Kindern hat es sehr gut gefallen, eine Wiederholung ist erwünscht. Und auch wenn das Wetter nicht unbedingt optimal war, war es, durch den Sonnenschein tagsüber, noch in Ordnung (und tausendmal besser als angesagt). Das nächste Mal werden wir wohl einen Fluss nehmen, der nicht ganz so frequentiert ist oder ihn nicht an einem Wochenende fahren.

Vielen Dank an Waffel und Andi und Sabine, die uns ihre schnellen Zweier geliehen haben!