Über Ostern waren wir für vier Tage in Belgien und Frankreich in den Ardennen unterwegs. Außer uns, war noch ein Teil der Jugendgruppe zusammen mit Frodo mit dabei. Eigentlich wollten wir dort vorallem die „Klassiker“ der Region, wie z.B. die Semois paddeln. Durch die vorherigen Regenfälle kam es dann aber ein wenig anders. In Belgien darf man Flüsse nämlich nur bei bestimmten Wasserständen fahren und die Oberläufe nur bis Mitte März. Die Obergrenzen der Wasserständen scheinen hierbei etwas willkürlich festgelegt worden sein, da diese kein bedrohliches Hochwasser darstellen.

Tag 1:

Der ursrüngliche Plan war, dass wir an diesem Tag den Viroin paddeln wollten. Am Tag zuvor war hier der Wasserstand auch noch vollkommen in Ordnung gewesen. Am Einstieg dann die traurige Nachricht: der Viroin ist wegen HW gesperrt. Das wird in Belgien mit praktischen Umklappschildern kenntlich gemacht.

Einstieg am Dourbes, paddel wegen hochwasser leider verboten-.-Das tolle Schild am Einstieg des Viroins

Verstöße gegen die Befahrungsregeln werden wohl auch mit saftigen Bußgeldern belegt. Darauf hatte keiner von uns Lust. Daher suchten wir uns als Alternative einen Fluss in Frankreich raus (keine Sperrungen bei zuviel Wasser- sicher ist sicher). Den Faux hatte ich bei vorherigen Recherchen im Internet rausgesucht. Er ist abhängig vom Stauseeablass des Lac des Vieilles Forges. Wann abgelassen wird, weiß wohl keiner so genau. Dank des vielen Regens zuvor, gingen wir das Risiko ein, blindlings zum Einstieg zu fahren. Zum Glück wurden wir mit genügend Wasser belohnt, nach einer 2-stündigen Herumgurkerei mit den Autos hatten wir uns das auch mehr als verdient.

Der Faux ist ein wunderschöner Kleinfluss mit ein paar Baumhindernissen und sogar etwas Wildwasser. Die Ufer sind teilweise mit Dornen bewachsen, was einigen von uns zum Verhängnis wurde.

2015 04 03_3569Am Einstieg ein kleines „Wehr“

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Es geht die ganze Zeit durch den Wald…2015 04 03_3605

…mit den typischen Hindernissen zum umtragen…  2015 04 03_3622

…oder drunterherquetschen

2015 04 03_3661Ein vollkommen einsames Tal

2015 04 03_3700Die wildeste Stelle

 2015 04 03_3713  Eine kleine Stufe kurz vor Schluss, ganz nah…

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…und von weiter weg

Leider war es etwas regnerisch, ansonsten war die Tour echt schön, wenn auch nur 4 km lang. Dank des dadurch kurzen Shuttles, konnten Paul und ich jeweils einmal fahren und ein Teil der Gruppe gleich zweimal.

2015 04 03_3528Am Ufer im Wald konnte man auch super warten und spielen

Tag 2:

Die Wasserstände waren unverändert hoch und wir hatten vom Vortag gelernt: in Belgien wird das so nix mit paddeln. Also fuhren wir wieder nach Frankreich rüber, um die Sormonne zu paddeln. Da es immernoch kalt und regnerisch war, musste einer bei den Kindern bleiben und das Auto nebenherziehen. Wir fassten den genialen Plan, 5 km weiter oben als im DKV-Führer beschrieben einzusteigen und dann nach 15 km zu tauschen, damit Paul und ich beide paddeln konnten.

2015 04 04_3369Am Einstieg in Étalle

Die Sormonne war zunächst ein kleiner Feld- und Wiesenbach mit vielen Kurven, ein bißchen wie die Alme. Mit kleinen Baumhindernissen.

2015 04 04_3376Warten am ersten Hindernis

2015 04 04_3379Manche Bäume erforderten Teamwork

2015 04 04_3380An einigen Bäumen waren ganz deutlich Biberspuren zu erkennen

Mit der Zeit war der Bach immer zugewachsener, teilweise ging es 50-100 Meter komplett durch Buschwerk. Es war eine richtige Qual, so etwas hatte ich auf nem Fluss noch nie erlebt.

2015 04 04_3388Ganze Büsche wuchsen mitten im Flussbett

2015 04 04_3394Manche gaben auf und trugen ihre Boote zwischendurch immer wieder

2015 04 04_3395Das „längste“ offene Stück (auf kompletter Länge zu sehen)

Neben den Büschen gab es auch noch ein paar Drähte und alte Telegraphenmasten aus Beton, die wir irgendwie überwinden mussten. Noch bevor wir an der eigentlichen Einstiegsstelle waren, waren wir alle ziemlich platt. Hätte Paul dort mit dem Auto gestanden, hätten die meisten sicher aufgehört.

Ab Chilly änderte sich der Charakter des Flusses völlig, wir bekamen von links ein wenig Wasserzufuhr und der Fluss grub sich in eine kleine Waldschlucht ein.

2015 04 04_3400Der Fluss ist nun breiter und landschaftlich deutlich schöner

Zwar gab es auch einige Baumhindernissen, doch die stellten keine Probleme dar. Es waren nur dicke Stämme und keine Büsche mehr.

2015 04 04_3413An einigen Stellen ragten sogar Felswände bis in den Fluss

Das Tal der Sormonne ist auf diesem Abschnitt richtig schön einsam gelegen, hätten wir uns das erste Stück doch verkniffen. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Nach der Hälfte unserer Strecke sollte eigentlich ein kleiner Stausee mit anschließendem hohen Wehr kommen. Der See war allerdings abgelassen und ich hatte schon schlimmste Befürchtungen, besonders als ich der Staumauer ansichtig wurde (Ich bin da ein wenig traumatisiert, an der Dobra in Kroatien mussten wir einmal eine Staumauer, die schon fertiggestellt, aber wo noch nix aufgestaut war, umtragen. Das war eine elende Plackerei. Nach den vorangegangenen Strapazen auf der Sormonne wollte ich nicht auch noch so weit umtragen). Doch wir hatten Glück, das alte Schott war weit hochgezogen und das gesamte Wasser ging hindurch.

2015 04 04_3417Das Schott

Der Höhenunterschied zum Unterwasser war aber immernoch immens und von oben konnte man nicht alles einblicken, also mussten wir erstmal am Ufer rumklettern, um uns das ganze von unten anzusehen. Das Wehr war zwar hoch (ca. 5m) aber ziemlich gut fahrbar.

2015 04 04_3451Das Wehr von unten (Frodo)

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Jana

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Paul

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Henrik2015 04 04_3481Lil Bene mit eindrucksvoller Kerze

Das Wehr zu fahren hat echt Spaß gemacht und hat uns viele Strapazen an diesem Tag vergessen lassen. Besonders die Jugend war ziemlich „stoked“, wie man so sagt ;). Nach dem Wehr war es wildwassertechnisch ein bißchen steiler und verblockter (maximal bis III-). Danach wurde die Sormonne zu einem ruhigen Kleinfluss in einsamer Landschaft.

2015 04 04_3509Gruppenbild bei einem Turm mitten im Wald

2015 04 04_3512Nachher kam sogar die Sonne raus

In dem Ort Sormonne warteten Paul mit Sonja (ihr war es an dem Tag zu kalt) und den Kindern schon ungeduldig. Wir hatten für die 16 km fünf Stunden gebraucht! Man muss wohl eigentlich nicht erwähnen, dass wir alle ziemlich platt und ausgehungert waren.

Tag 3:

Ostersonntag. Das hieß für Samuel und Jakob natürlich erstmal Ostereier suchen. In der Nacht war es verdammt kalt gewesen und alles war voller Frost.

2015 04 05_3326Alles weiß bei der Eiersuche…

2015 04 05_3331…ebenso wie die Paddelsachen, die die Nacht draußen verbracht haben

Durch den Frost in der Nacht war das Wasser der Flüsse zurückgegangen, so dass wir endlich einen belgischen Fluss paddeln konnten. Es ging zur Lesse. Sie ist ein sportlicher Wanderfluss, der teilweise durch einen Nationalpark fließt. Diesmal konnten auch endlich die Kinder mit, was vor allem Samuel sehnsüchtig erwartet hatte.

2015 04 05_3335Endlich gehts los- Samuel startklar am Einstieg

2015 04 05_3336Auch Jakob ist bereit, mit seinen dicken Klamotten kann er sich nur nicht so richtig gut bewegen

2015 04 05_3346Die Lesse ist nicht schwierig (nur schnelle Strömung), dafür aber sehr schön gelegen

2015 04 05_3344Zwischendurch werden Samuel und ich zum Höhlenforscher (einer sehr kleinen Höhle direkt am Wasser)

2015 04 05_3354Ab und zu ragen hohe Felswände aus dem Wald heraus…

2015 04 05_3357…die von Samuel eingehend untersucht werden

2015 04 05_3364Kurz vorm Ende der Tour fliesst die Lesse am Schloss Walzin vorbei, direkt unterhalb kommt das einzige Wehr dieser Strecke, ein kleines Schrägwehr.

Trotz der Sonne an diesem Tag wurde es nicht so richtig warm, was auch an dem eisigen Wind lag. Am Abend grillten wir dann um noch ein bisschen Extra-wärme zu kriegen.

2015 04 05_3368Samuel ist geschafft vom Tag und wärmt sich mit heißer Milch und heißen Grill auf

Tag 4:

Der Tag der Rückreise. Das Wasser war so weit zurückgegangen, das wir sogar zwischen zwei Flüssen wählen konnten: entweder die Semois bis zum Campingplatz oder die Amblève als Reisebach. Da mehrheitlich für mehr Action plädiert wurde, ging es zur Amblève, immerhin gibt es dort einen eventuell fahrbaren 15-Meter Fall.

Abgesehen von dem Fall ist die Amblève auch sonst schön spritzig und teilweise leicht verblockt (besonders zu Beginn, nach dem Fall wird sie ruhiger).

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Jakobs bisher wildeste Tour (er ist trotzdem wieder eingeschlafen)

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Ein paar Felsen sorgen für Abwechslung

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Der Wasserfall in Coo musste dann mit den Zweiern erstmal umtragen werden. Auch der Jugend legten wir nahe, besser zu umtragen. Frodo und ich schauten uns den Fall eine ganze Zeit lang an, konnten uns dann aber nicht überwinden ihn zu fahren. Im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen, dass ich nicht gefahren bin. Aber an dem Tag hatte ich einfach nicht das „passende Gefühl“ für eine Befahrung, obwohl ich die Linie klar gesehen habe und es sicher auch fahrtechnisch geschafft hätte. Aber mein Bauchgefühl trügt mich nur selten, also bin ich lieber kein Risiko eingegangen (Außerdem hätte ich mir für die Befahrung ein Boot leihen müssen, da ich ja mit Sammy im Zweier unterwegs war. Das ist DIE Ausrede ;)).2015 04 06_3291Jakob wartet nach der Umtrage, dass es weitergeht. Was guckt Mama auch so lange?

Nach dem Wiedereinstieg ließen Samuel und ich es uns natürlich nicht nehmen, einmal ganz nah an den Fall in die Gischt oder wie Samuel es nannte: die brüllenden Nebel, zu fahren.

2015 04 06_3308Im brüllenden Nebel

Mit dem Fall verliert die Amblève auch einen Großteil ihrer Wildheit und wird immer ruhiger.

2015 04 06_3320Am Ausstieg in Cheneux

Obwohl nicht alles wie geplant lief, waren es vier gute, lange und kalte Paddeltage auf neuen Flüssen.