Jeder Paddler, der in der Nähe von Kleinflüssen lebt, kennt das. Kaum sinken die Temperaturen, steigen die Pegel auf fahrbare Wasserstände an. Wegen der winterlichen Temperaturen aufs Paddeln verzichten? Lieber nicht, daher hier ein paar Tipps, wie die winterliche Paddeltour auf Kleinflüssen gut gelingt.

2014 12 27_2690Egal ob im Schneegestöber an der Wenne oder…

DSC_0381(1)…bei Minustemperaturen auf der Möhne. Winterpaddeln macht Spaß!

Logistik

Wenns draußen knackig kalt ist, will keiner in der Kälte rumstehen. Schon gar nicht nach einer Paddeltour. Daher sollte man sich im Winter über die Logistik besonders Gedanken machen. Mit der Zeit haben sich bei uns drei verschiedene Logistikvarianten bewährt.

1. Sind nur wenig Leute unterwegs (bis 5, außer man hat zwei Bullis), stellt man am Ausstieg ein Auto ab, mit dem dann nach dem Paddeln alle gemeinsam wieder hochfahren können.

2. Ein Autofahrer, der ständig am Fluss entlangfährt. Bietet sich bei unbekannten Flüssen an. Nachteil: manchmal ist es schwierig, jemanden zu motivieren, seinen Sonntag autofahrend in der Kälte zu verbringen 😉

3. Ein warmer Ort am Ausstieg. Während ein Teil der Gruppe die Autos nachholt, kann sich der Rest aufwärmen. Das kann in einem Bootshaus sein, oder auch in Imbissbuden oder Cafés. Eine sehr gute Möglichkeit, da man sich dort direkt stärken kann, die allerdings viel zu selten vorkommt.

Flusswahl

Hat man keinen Autofahrer, ist es besser, wenn man sich eher auf bekannte Flüsse begibt. Hier kann man die Risiken schon vorher einschätzen. Auch ist es von Vorteil, wenn man nur wenig bis gar nicht umtragen muss. Jedes mal wenn man aus dem Boot muss, wird es kalt.

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Mit Autobegleitung kann man sich gut auf unbekannte Flüsse wagen, so ist man bei einem eventuellen Fahrtabbruch gut gerüstet.

Außerdem sollte man die Fahrtstrecke anpassen. Kürzere Touren, bzw. schnelle Touren von maximal 3 Stunden sind am besten.

2014 12 27_2698 Wenn man möchte, kann man innerhalb der Gruppe verschiedene Einstiege wählen (je nachdem, wie lange man im kalten unterwegs sein möchte). Hier auf der Wenne in Bremke

Kleidung

Normalerweise sollte man sich ja fürs Wasser und nicht für die Luft anziehen. Im Winter tritt dieses Gesetz außer Kraft.

IMG-20141228-WA0006Überall Eis, also besser warm anziehen

Neben der Standardausrüstung von Helm, Schwimmweste und Spritzdecke, muss man sich also vor allem Gedanken um warme Kleidung machen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Trockenanzug oder Trockenjacke-Trockenhose-Kombi. Die Unterbekleidung kann man hierbei sehr gut den kalten Temperaturen anpassen. Untenherum bietet sich eine lange Unterhose und eine Fleecehose an. Obenherum wärmt man sich am besten mit Funktionsshirt (oder mehreren) und einem dicken Fleecepulli. Das „Zwiebelprinzip“ mit mehreren Schichten ist eindeutig mehr zu empfehlen als ein megadicker Pulli. Zwischen den einzelnen Schichten ist ein dünner Luftfilm, der sich erwärmt und die Wärme speichert. Bei einer Schicht wird die Wärme nicht so gut gespeichert. An den Füßen bieten sich entweder Fleecesocken oder dicke Wollsocken an (wenn die Hose oder der Anzug Füßlinge hat)

2. Trockenjacke mit Neoprenanzug. Und damit ist wirklich ein Anzug gemeint, nicht bloß eine Hose, da diese bei niedrigen Temperaturen nicht ausreichend wärmt. Oben herum greift man hierbei auch auf Funktionsshirt(s) und Fleecepulli zurück. An den Beinen reicht der Neoprenanzug aus. Für warme Füße sind Neoprensocken optimal.

Allgemein sollte man feste Schuhe mit dicker Sohle tragen. Da kann man auch mal durch den Schnee stapfen. Handschuhe sind im Winter immer angebracht. Hierbei gibt es nicht DIE Lösung, vielmehr entscheidet hier die persönliche Präferenz. Man kann wählen zwischen Fingerlingen, Fäustlingen mit offener Handfläche (für besseren Grip) und Paddelpfötchen.

2014 12 27_2702Handschuhe sind ein Muss

Damit der Kopf nicht auskühlt kann man zusätzlich zum Helm eine Neopren- oder Fleecekappe tragen. Bei einigen Helmen (z.B. Sweet) ist das aber nicht nötig).

2014 12 27_2701Eine Fleecekappe als Zusatz zum Helm wärmt super

Sicherheitsausrüstung

Eine gute Sicherheitsausrüstung darf eigentlich nie fehlen. Aber es schadet nicht, das nochmal zu erwähnen. Standard ist in jedem Fall der Wurfsack und das Erste Hilfe-Set. Das Erste Hilfe-Set sollte neben der üblichen Ausstattung über eine Rettungsdecke verfügen (nicht nur im Winter wichtig). Zusätzlich sollte man Müsliriegel oder ähnliches dabei haben, damit man im Notfall schnell wieder zu Kräften kommt.

Bootswahl

Die Wahl des Bootes ist auch eher eine persönliche Entscheidung. Immerhin soll man sich in seinem Boot wohlfühlen und sicher paddeln. Allerdings sollte man auch bedenken, dass man mit den ganzen Klamotten UND Schuhen gut ins Boot passen sollte. Ein Spielboot kann so im Winter als fahrbarer Untersatz also wegfallen.

IMG-20141228-WA0004Eis am Boot-und schon legt das Boot an Gewicht zu 😉

Nach dem Paddeln

Auf warme Kleidung sollte man auch nach dem Paddeln nicht verzichten. Besonders wichtig ist eine Mütze, denn ein bißchen nasse Haare hat man immer. Außerdem beugt das Ohrenschmerzen vor (denn man hat auch öfters mal ein wenig Wasser in den Ohren).

2014 12 27_2705Warmer Tee tut im Winter nach dem Paddeln besonders gut

Auch dem Essen sollte man eine große Bedeutung zumessen. Denn nicht nur das Paddeln hat dem Körper Energie entzogen, sondern auch die eisigen Temperaturen. Eine gute Mischung aus Sattmachern (Brötchen mit Käse/Salami und Salat) und ein bißchen Süßigkeiten (Schokolade ist gut, Gummibärchen/Lakritz werden im Winter zu hart) für den schnellen Energiekick sind optimal. Zum Aufwärmen von Innen und der Hände ist Tee oder je nach Vorliebe Kaffee zu empfehlen.

 

Und wem das Paddeln im Winter doch zu kalt ist, kann das Boot einfach als Schlitten benutzen 😉

jakob_schlitten